Ein Dopingkontrolleur während eines Fußballspiels © Getty Images/Bongarts

Da ist also wieder das Märchen, dass Doping im Fußball nichts bringt. Diesmal erzählen es Mehmet Scholl und Robin Dutt. Fußball sei zu komplex, man brauche von allem etwas. Scholl sagt, nehme man Mittel zum Muskelaufbau, leide darunter die Koordination. Nehme man etwas für die Ausdauer, werde man langsamer. Im Fußball habe Doping also keinen Sinn. Dutt sagt sogar: Spieler, die dopen, werden schlechter.

Scholl und Dutt irren. Beim Radsport, Schwimmen oder in der Leichtathletik, wo es vor allem auf die Physis ankommt, weiß eh jeder: Doping wirkt. Aber auch das Spiel Fußball wird zunehmend zum Ausdauersport. Kondition und Schnelligkeit werden immer wichtiger. Ende der neunziger Jahre rannten Fußballer gemäß einer dänischen Studie acht Prozent einer Spielzeit volles Tempo, heute tun sie das etwa doppelt so lange. Früher liefen sie in einem Spiel fünf Kilometer, heute mehr als zwei Mal so viel. Manche Spieler wie der Dortmunder Aubameyang erreichen auf ihrer Jagd nach dem Ball 35 Kilometer pro Stunde und sprinten in neunzig Minuten bis zu hundert Mal. "Es kommt so weit, dass wir alle Doping brauchen",  sagte der französische Weltmeister Emmanuel Petit bereits vor gut fünfzehn Jahren. "Einige tun es schon."

Spricht man mit Sportwissenschaftlern, ergibt sich tatsächlich ein anderes Bild als das von Scholl und Dutt. "Zu glauben, Doping bringe im Fußball nichts, ist Unfug", sagt Professor Perikles Simon, Leiter der sportmedizinischen Abteilung der Universität Mainz und einer der bekanntesten Dopingexperten Deutschlands. "Die Vorstellung Mehmet Scholls, dass sich durch eine Stärkung der Ausdauer oder der Kraft der jeweils andere Faktor verschlechtert, ist wissenschaftlich nicht haltbar."

Wer mehr Sauerstoff im Blut hat, kann schneller und länger rennen

Im Fußball können viele Faktoren mit Doping verbessert werden. Hat ein Spieler mehr Kraft und Kondition, ist er kurz vor dem Schlusspfiff im Kopf und Körper nicht so müde wie sein Gegenüber, kann früher am Ball sein. Der Einsatz von anabolen Stereoiden etwa verbessert schon in einer geringen Menge Kraft, Schnelligkeit, Kondition und Regeneration. "Wenn die Ausdauer eines Spielers mit Training nicht mehr verbessert werden kann, ist Doping in manchen Fällen der stärkste Hebel, um die Gesamtleistung eines Spielers zu verbessern", sagt Simon.

Eigenblutdoping, aus dem Radsport bekannt, steigert auch bei Fußballern die Leistung. Wer sich Blut transfundieren lässt oder das Hormon Erythropoetin (Epo) nimmt, vermehrt seine roten Blutkörperchen. Dadurch transportiert das Blut den Sauerstoff besser und wer mehr Sauerstoff in seine Muskeln geliefert bekommt, kann schneller und länger rennen. Die Mannschaft des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin soll in der Epoche ihres Champions-League-Siegs 1996 mit Epo gedopt gewesen sein. "Die Fähigkeit, auch in der letzten Minute einen langen Sprint so zu laufen wie in der ersten, verbessert sich rapide mit Epo", sagt Simon. "Wenn im modernen Fußball eine Eigenschaft entscheidend ist, dann genau diese."