Der ARD-Moderator Reinhold Beckmann "diskutiert" nach dem DFB-Pokalspiel in Dresden mit den Trainern Jürgen Klopp und Peter Németh sowie dem ARD-Experten Mehmet Scholl. Screenshot ZEIT ONLINE

1. Akt: ARD-Studio in Dresden nach dem Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund. Anwesende: Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl von der ARD sowie die beiden Trainer Jürgen Klopp und Peter Németh

Beckmann (nach der Analyse): "Wir haben einen Übergang, der ein bisschen komplex ist, aber ich will's mal versuchen. Flächendeckendes Doping im Radsport, wissen wir: Ja, hat's gegeben, ist möglich. Aber Doping als systematische Verabreichung von Anabolika im Fußball – das kommt überraschend und überraschend spät auf einmal daher und ans Tageslicht. Was Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger beim SC Freiburg und insbesondere beim VfB Stuttgart passiert sein soll. (Wendet sich zu Klopp) Als Sie das jetzt gehört haben – für Sie vorstellbar? Oder haben Sie gedacht: Hey, was ist denn da das für ne Nummer?'"

Klopp: "Also, Fußballer sind in dem Bereich wirklich nicht systematisch unterwegs. Ich glaube, in keiner Zeit gewesen. Im Fußball ist sich viel zu wenig drum gekümmert worden. Aber wenn man sich zu der Zeit in Freiburg häufiger hat behandeln lassen, dann, glaube ich, kann das passiert sein, ohne dass das jemand mitbekommen hat. Ich glaube, die haben da ein bisschen vor sich hin getestet. Die haben über Jahrzehnte einen Riesenruf gehabt, und der ist relativ schnell dann auch komplett kaputtgemacht worden. Ich bin mir ganz sicher, die Spieler, die damals beim VfB Stuttgart gespielt haben, da war überhaupt keiner dabei, dem man das auch nur im Ansatz zutrauen würde."

Beckmann: "Das bewusst auch befördert zu haben?"

Klopp: "Um Himmels willen! Es kann sein, dass im Fußball irgendwann mal gedopt wird. Aber das ist dann immer von der medizinischen Seite, die irgendwas ausprobieren. Aber dass die Spieler in irgendeiner Form glauben, damit können wir uns ein bisschen weiterhelfen oder so was, so funktioniert das Fußballgeschäft überhaupt nicht. Und dementsprechend auch damals nicht. Wenn die was gekriegt haben, dann haben sie es sicher nicht gewusst."

2. Akt: ein anderthalbminütiger Einspieler über die Ergebnisse aus Freiburg

Frage aus dem Off: "Wie effektiv wäre denn Doping in welcher Art und Weise möglicherweise im Fußball?"

Robin Dutt: "Völlig uneffektiv, weil wir eine Mischsportart haben, eine technisch-taktische Komponente haben. Es wäre wirklich … der Spieler wäre mit Dummheit gestraft, er würde sich versuchen, darüber irgend zu optimieren. Er würde sicherlich sich nachher in der Leistung eher verschlechtern."

Gerhard Treutlein, Mitglied der Freiburger Forschergruppe (konfrontiert mit Dutts Aussage): "So sehr ich den Herrn Dutt schätze, aber da redet er Blödsinn. Doping, je nachdem was man nimmt, bringt sehr wohl was im Fußball."

(...)

Karlheinz Förster: "Dass man dann eben auch zum Arzt gesagt hat: 'Mensch, ich will Samstag spielen. Ich hab immer noch ne Entzündung drin. Können wir da nichts Entzündungshemmendes noch spritzen?' Aber das hatte überhaupt nichts mit Doping zu tun."

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Frage aus dem Off: "Wie sauber war und ist die Bundesliga?"

Treutlein: "Meinen Sie, ich will mir Prozesse einhandeln? Da werde ich mich hüten, auch nur einen Ton dazu zu sagen."

3. Akt: Zurück im Studio, beide Trainer sind abgegangen.

Beckmann: "Noch mal, Mehmet, also, flächendeckendes Doping im Radsport, in Ausdauersportarten – alles vorstellbar, alles dagewesen. Im Fußball?"

Scholl: "Zunächst mal fehlt mir bei der Diskussion die Frage: Was soll's überhaupt bringen im Fußball? Fußball ist so eine komplexe Sportart. Das heißt, nehmen wir mal an, du nimmst was zum Muskelaufbau, darunter leidet die Koordination und die Schnelligkeit. Nein, nicht die Schnelligkeit, die Koordination. Nimmst du was für die Kondition, wirst du langsamer. Im Fußball macht's nicht wirklich Sinn. Ich kann es mir so vorstellen, wie Kloppo es gesagt hat: Man probiert das einfach mal. Man hat da die Fußballer ein bisschen als Versuchskaninchen benutzt. Vielleicht wusste der eine oder andere auch, was er da nimmt, aber nicht, welche Wirkung es auf den Körper hat. Also, ich kann aus meiner aktiven Zeit nur sagen, fünfzehn Jahre bei Bayern München, ich hatte jede Menge Dopingkontrollen. Wir alle. Wir hatten – wie sagt man? – einen Medizinschrank, da waren Medikamente für Kinder drin. Wir haben überhaupt nichts nehmen dürfen, die waren so sanft, die Mittel. Ich erinnere an die Worte von Jens Jeremies. Wenn ich gesagt hab: 'Ich muss zur Dopingkontrolle', hat er gesagt: 'Du brauchst da nicht hin!' Da hab ich gefragt: 'Warum nicht?' Da hat er gesagt: 'Millionen haben gesehen, dass du nicht gedopt bist.' So sind wir damit umgegangen."

Beckmann: (lacht) "Jens Jeremies, der letzte große Fußballphilosoph. Und das passt auch ganz gut zu Dresden, denn hier war sein fußballerisches Zuhause."

Quelle: ARD-Mediathek (I und II)