Ullrich Kroemer war gerade kurz davor, sich auf den Weg nach Dresden zu machen. Der Journalist aus Leipzig wollte über das Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund berichten. Doch dann bekam er einen Anruf: Den Weg könne er sich sparen, lautete die Botschaft von Henry Buschmann. Der Pressesprecher von Dynamo Dresden teilte dem Journalisten mit, der Club habe ihm soeben die Akkreditierung entzogen.

Geschäftsführer Robert Schäfer hatte sich über Kroemers Berichterstattung im Vorfeld des Pokalspiels dermaßen geärgert, dass er dem Journalisten seine Arbeitsberechtigung nahm. Grund für die Maßnahme war ein Bericht, der am Morgen des Spieltags auf zdfsport.de zu lesen war und sich mit dem Fanproblem bei Dynamo Dresden beschäftigte. Tenor: Der Vulkan Dynamo breche auch deshalb immer wieder aus, weil es dem Verein nicht gelinge, zu seinen gewaltbereiten Anhängern nachhaltig auf Distanz zu gehen.

Schäfer nahm Kontakt zum ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz auf. Kroemers Bericht wurde dann von der Seite genommen. Als der Artikel verschwunden war, erlaubte Dynamo Dresden dem Journalisten plötzlich wieder, abends im Stadion seinem Beruf nachgehen zu dürfen. Ein Kuhhandel zwischen Dynamo Dresden und dem ZDF? Nach dem Motto: Ihr entfernt den unliebsamen Bericht, dafür lassen wir Euren Mitarbeiter ins Stadion.

"Redaktionelle Gründe"

Dem widerspricht Gruschwitz. Einen solchen Deal habe es nicht gegeben. "Wir haben von uns aus entschieden, den Artikel offline zu stellen, bevor wir mit Herrn Schäfer und Dynamo Dresden gesprochen haben." Als Begründung für den Entschluss, eine Berichterstattung, die zunächst inhaltlich abgesegnet worden war, nun zu verbannen, nennt Gruschwitz vage "redaktionelle Gründe". Das Thema Dynamo Dresden und seine Fans sei "äußerst sensibel", bei der ersten Prüfung von Kroemers Bericht habe "die redaktionelle Sorgfalt nicht ausgereicht". Der Artikel habe "intern und extern für großen Wirbel gesorgt".

Mit seinem Mitarbeiter nahm Gruschwitz erst eine knappe Woche später Kontakt auf, um ihm die Vorgehensweise des ZDF zu erläutern. Gleiches gilt für Dynamos Geschäftsführer Robert Schäfer. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser an Merkwürdigkeiten reichen Geschichte, dass die Angelegenheit zur Chefsache erklärt wurde, ohne den Autor direkt in die Diskussion einzubeziehen.

Artikel jetzt im Blog

Vom Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) heißt es, etwas Vergleichbares habe es bis dato nicht gegeben. Er halte es für "besorgniserregend, wenn kritische Berichterstattung auf diese Weise sanktioniert wird", sagt VDS-Präsident Erich Laaser. "Wir sind immer noch die vierte Gewalt im Staat. Wenn Akkreditierungen entzogen werden, ist das ein Angriff auf die Pressefreiheit. Gegen so etwas müssen wir uns ganz eindeutig verwahren und solche Vorkommnisse bloßstellen." Grundsätzlich hält es Laaser "für den falschen Weg, den Holzhammer rauszuholen".

Dresdens Geschäftsführer mochte sich zur Angelegenheit nicht äußern. Robert Schäfer ließ über den Pressesprecher Buschmann ausrichten, die Angelegenheit sei zwischen Dynamo, dem ZDF und dem Journalisten inzwischen ausgeräumt, mehr sei nicht zu sagen. Im Jargon der Kicker heißt das: "Mund abputzen, weiter geht's."

Tatsächlich wurde in Dresden schon am Wochenende wieder Fußball gespielt und über Fußball berichtet. "Ich bin darum bemüht, mit Dynamo wieder eine Basis herzustellen", sagt Ullrich Kroemer. Der Journalist hofft, er könne "künftig kritisch über Dynamo berichten, ohne Ressentiments fürchten zu müssen". Den Artikel des Anstoßes hat Kroemer nun in seinem privaten Blog veröffentlicht.