Hamburg liegt im innerdeutschen Wettstreit um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 mit 64 Prozent Bürgerzustimmung gegenüber 55 Prozent in Berlin vorn. Dies geht aus einer Forsa-Umfrage hervor, deren Ergebnisse der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekanntgegeben hat. Jeweils 1.500 repräsentativ ausgewählte Bürger wurden befragt, ob sie Olympische Spiele 2024 in ihrer Stadt befürworten oder nicht.

Schon im September 2014 hatte es eine Umfrage zu den Bewerbungsplänen beider Städte gegeben. Seitdem ist die Zustimmung in der Bevölkerung noch einmal gewachsen, in Berlin um sieben Prozentpunkte, in Hamburg um elf. Gleichzeitig sank in beiden Städten die Zahl der Menschen, die das Projekt ablehnen. In Berlin von 49 Prozent auf 39 Prozent, in Hamburg von 44 Prozent auf 32. Der DOSB berichtet weiter, dass es 81 Prozent der Berliner und 82 Prozent der Hamburger begrüßen würden, wenn wieder einmal Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland stattfänden. 

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte, die Veröffentlichung der Ergebnisse werde "der Einstieg sein in die Entscheidung eine Woche später". Von einer Vorentscheidung wollte er bei einem Vorsprung von neun Prozentpunkten aber nicht sprechen. Der DOSB freue sich "über die riesige Zustimmung zu Olympischen und Paralympischen Spielen und vor allem auch darüber, dass es in beiden Städten Zuwächse bei der konkreten Bewerberfrage gab. Nun haben wir eine gute Grundlage für den weiteren Entscheidungsprozess", sagte Hörmann.

Am kommenden Sonntag trifft sich das DOSB-Präsidium mit den Spitzensportverbänden, einen Tag später mit Vertretern der Zivilgesellschaft. Auf Basis dieser Gespräche, in die die Umfrageergebnisse einfließen, wird die DOSB-Führung am Abend des 16. März dann eine Empfehlung für einen Kandidaten aussprechen. Die endgültige Wahl steht am 21. März in der Frankfurter Paulskirche an.

Zustimmung der Bevölkerung hat entscheidende Bedeutung

Hörmann sagte, die Zustimmung in der Bevölkerung habe für die Ausrichtung der Spiele eine sehr entscheidende Bedeutung. "Wenn beide nahe beieinander liegen und exzellente Werte haben, wird das nicht das entscheidende Kriterium sein und nur eine untergeordnete Rolle spielen. Je größer der Abstand, umso eher wird es Auswirkungen haben", sagte Hörmann schon vor einigen Wochen.

Vor der Abstimmung hatte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller überzeugt gezeigt, dass die Mehrheit der Berliner einer Austragung der Spiele zustimmen werde. Müller sagte dem rbb-Inforadio, er sei sicher, dass Berlin auch nach der Umfrage noch im Rennen sei. Selbst wenn die Olympia-Begeisterung der Bevölkerung beim Konkurrenten Hamburg etwas größer sein sollte – auf drei oder vier Prozentpunkte käme es nicht an, sagte Müller.

Berlins Innen- und Sportsenator Frank Henkel sagte nach der Veröffentlichung der Zahlen: "Der olympische Funke ist auf Berlin übergesprungen. Ich freue mich, dass die Begeisterung gewachsen ist. Das ist eine gute Ausgangslage für die deutsche Hauptstadt."

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz sagte, seine Stadt "wäre sehr geehrt, wenn der deutsche Sport uns beauftragt, sich für unser Land um Spiele zu bewerben". "Wir spüren, dass die olympische Idee begeistert und dass von ihr Impulse ausgehen, die unserem Land guttun." Kompakte Spiele, nachhaltige Planung und transparente Verfahren könnten auch beispielgebend für Spiele im Sinne der olympischen Idee sein.