Ivica Olić und Valon Behrami nach der Niederlage gegen die Hertha © Malte Christians/picture alliance/dpa

Lange hatte der Hamburger SV wenigstens den Titel der Lachnummer der Liga inne. Mittlerweile möchte man nicht einmal mehr Witzchen machen. Weil Humor immer auch Anerkennung voraussetzt. Jetzt nervt der HSV nur noch. Er ist so etwas wie das Wetten, dass..? des Fußballs. In den Achtzigern eine große Nummer, heute nach Jahren langen Siechtums altbacken und blass, peinlich und blutleer. Der einzige Unterschied: Die TV-Show nahm sich selbst aus der Liga, der HSV wurschtelt immer weiter.

Es ist nun das dritte innerhalb von vier Jahren, in dem die Hamburger an der Klippe zur zweiten Liga balancieren. Und immer sind alle ganz aufgeregt, weil der Verein als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga noch nie abgestiegen ist. Fußballinteressierte werden mit dem drölfzigsten Krisenbericht über den HSV überschwemmt: O weh, der Dino! Aber wer, außer den bedauernswerten HSV-Fans, würde ihn vermissen? Wann war der Club zuletzt besser als Mittelmaß?

Ein Bericht klingt so wie der andere. Der aus 2012 wie der von 2014 oder 2015. Meist steht darin ein hilfloser Fußballer vor der Kamera (Westermann), der sagt, man tue alles, was man könne. Nur scheint das nicht allzu viel zu sein. Es folgt ein hilfloser Trainer (Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka, Zinnbauer) mit den ewig gleichen Durchhalteparolen. Am Ende darf auch ein hilfloser Vereinsverantwortlicher (Arnesen, Kreuzer, Beiersdorfer) nicht fehlen. Man werde genau überlegen, wie es weitergeht, und so weiter. Kurz noch ein Bild von der Uhr, die zeigt, wie lange der HSV schon in der Bundesliga spielt, unterlegt von dramatischer Musik, fertig.

Der HSV quält uns immer weiter

Das alles hat man nun schon so oft gesehen, dass man den Hamburgern zurufen möchte: Macht das, was ihr wollt, holt meinetwegen auch die Olympischen Spiele, wenn es euch glücklich macht, aber tut uns einen Gefallen: Steigt endlich ab! Damit mal Ruhe ist.

Stattdessen quälen uns die Hamburger immer weiter. In dieser Saison schossen sie gerade einmal 16 Tore. 16 Tore in 26 Spielen, davon drei Elfmeter und zwei Eigentore des Gegners. Von Anziehungskraft oder Unterhaltungswert ist nichts zu spüren. Von einer Spielidee erst recht nicht, obwohl der HSV vor der Saison noch einmal in den Pfeffersack gegriffen und für 30 Millionen Euro neue Spieler gekauft hat.

Das Problem des HSV: Er ist zu inkompetent, um erfolgreich zu sein, aber auch zu potent, um abzusteigen. Der Club war in den vergangenen Jahren ganz sicher der am schlechtesten geführte Fußballverein des Landes. Und trotzdem bewegt er genug Menschen, um immer wieder auf die Füße zu fallen. Dafür sorgt vor allem Klaus-Michael Kühne, der Mäzen, der dem verschuldeten Club Millionen gibt, dessen Fußballsachverstand aber nicht mit seinem Bankkonto mithalten kann. Ginge es nach ihm, würde wohl Felix Magath den Verein trainieren.

Die HSV-Fans haben etwas Besseres verdient

Man muss kein St.-Pauli-Fan sein, um sich den HSV aus der Liga zu wünschen. Er ist der Inbegriff des behäbigen Traditionsvereins, der alle Möglichkeiten hat, aber keine nutzt. Auch seinen Fall sollte man im Hinterkopf haben, wenn man über Tradition und Moderne im Fußball diskutiert, wenn man vermeintliche Plastikclubs wie den VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim zum Teufel wünscht.

Die Hamburger nehmen mit ihrem unehrenhaften Herumlavieren auch den mutigeren kleineren Vereinen die Möglichkeit, sich in der Bundesliga zu beweisen. Selbst Eintracht Braunschweig und der 1. FC Nürnberg, die der HSV in der vergangenen Saison hinter sich ließ, machten dem neutralen Zuschauer jedenfalls mehr Spaß als die mit den roten Hosen. 

Gleiches trifft auf die tapfere SpVgg Greuther Fürth zu, die dem HSV in den Relegationsspielen fast den Gnadenstoß verpasst hätte. Am Ende hieß es 0:0 und 1:1, und nur weil die Europapokal-Arithmetik auch für innerdeutsche Spiele gilt, durfte der HSV in der Liga bleiben und ein völlig überdrehter Torschütze den Gegner verhöhnen. Damals, als HSV-Witze noch witzig waren, hieß es: Nicht mal absteigen können sie.

Leid tun können einem nur die HSV-Fans. Sie haben etwas Besseres verdient. Für sie wäre der Abstieg eine Katastrophe. Gerade jetzt, wo mit dem Direktor Sport Bernhard Peters und dem Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer zumindest etwas Kompetenz in den Verein eingezogen ist. Aber: Vielleicht ist es die Last der Unabsteigbarkeit, die den Verein so lähmt. Vielleicht wäre, ist es einmal passiert, alles wieder besser. Viel schlimmer gehts doch nicht.