Wer soll das bezahlen? Dass diese Frage offen ist, ist der größte Kritikpunkt der Olympiagegner. Und auch so manchen Olympiafan schaudert es bei den ganzen Milliarden, die dann anderswo fehlen. Die Olympischen und Paralympischen Spiele mögen schöne Feste sein, viel Show, guter Sport, die ganze Welt schaut zu. Aber sie sind verdammt teuer. Nur, wie teuer eigentlich genau? Das wäre gut zu wissen, bevor der DOSB Berlin oder Hamburg ins Rennen um die Spiele 2024 schickt.

Genaue Berechnungen für das Jahr 2024 kann man noch nicht erheben, es hat ja noch nicht einmal der offizielle Bewerbungsprozess begonnen. Anhaltspunkte über die Gesamtkosten erhält man jedoch, wenn man auf die vergangenen Sommerspiele in London blickt. Wir haben für die Spiele 2012 einmal die Kosten addiert und versucht abzuschätzen, was die Zahlen für Olympische Spiele in Deutschland bedeuten könnten.

1. Die Bewerbungskosten

Bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Sommer 2017 muss die Werbetrommel gerührt werden. London kam mit umgerechnet etwa 38 Millionen Euro aus.

Die Kosten für Berlin und Hamburg werden auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt. Es könnte aber etwas billiger werden, weil der Bewerbungsprozess durch die IOC-Reformen etwas entschlackt wird. Das Geld wäre auf jeden Fall weg, egal ob eine der deutschen Städte den Zuschlag bekommt oder nicht. Und die deutschen Chancen für 2024 stehen schlecht.

2. Die Organisationskosten

Unter diesem Posten wird alles zusammengefasst, was mit der direkten Organisation der Wettbewerbe und Zeremonien zu tun hat. Also temporäre Sportanlagen, Eröffnungs- und Schlussfeiern, Ordner in den Stadien oder Medaillen. In London wurde zu diesem Zweck eine Gesellschaft gegründet, die etwa 2,9 Milliarden Euro ausgab. Sie hatte eine schwarze Null angestrebt, weil an sie auch die Olympia-Einnahmen fließen (Eintrittsgelder, Sponsoringerlöse, Transferleistungen des IOC). Das Ziel verfehlte sie aber. Zwar konnte die Gesellschaft einen kleinen Gewinn ausweisen, aber nur, weil sie eine kleine Finanzspritze von der öffentlichen Hand erhielt.

Dieser Etat muss oft als Beleg für die Erklärung herhalten, die Ausrichtung und Organisation der Olympischen Spiele würden kein Geld kosten. Im strengen Sinne des Worts kann das sogar stimmen. Aber: Die dicken Kosten stecken anderswo und werden mitunter kreativ aus dem Organisationsetat herausgerechnet. Berlin plant mit einem Etat von 2,5 Milliarden Euro. Für Hamburg sähe er ähnlich aus.

3. Die Kosten für die Sportinfrastruktur

In London war das der größte Teil des Budgets. Unter diesen Posten fallen alle Stadien, Anlagen und Gebäude, die nach den Spielen nicht direkt wieder abgebaut werden. Also das Olympiastadion, das Olympische Dorf, das Medienzentrum und so weiter. London gab dafür etwa 3,9 Milliarden Euro aus. Vor allem das neue Olympiastadion und der sehr teure Olympiapark schlugen 2012 ins Budget.

Berlin könnte das etwas billiger haben, ein Olympiastadion steht schon, die meisten Sportstätten müssen nur modernisiert werden, sind teilweise gar Überbleibsel der gescheiterten Olympiabewerbung 2000. Deshalb sollen hier 1,5 Milliarden Euro reichen. Auch Hamburg will nur wenige Sportstätten neu bauen, braucht aber unter anderem ein neues Olympiastadion für 70.000 Zuschauer.