Deutschland soll sich mit Hamburg um die Olympischen Spiele 2024 bewerben. Dies hat das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes seinen Mitgliedern für die Abstimmung am Samstag empfohlen und sich damit gegen Berlin ausgesprochen.

"Unser einmütiger Vorschlag lautet Hamburg", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Die Hansestadt "bietet ein faszinierendes und kompaktes Olympia-Konzept". Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, beide Städte hätten hervorragende Konzepte abgegeben. Hamburg sei eine Agenda-City, die hervorragend zum Reformprozess des IOC passe. "Diese Olympia-Bewerbung ist ein Projekt von ganz Deutschland. Packen wir's an", sagte Hörmann.

Am Vormittag hatten Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und der Berliner Sportsenator Frank Henkel (CDU) Vertretern aus Sport, Politik und Gesellschaft ihre Konzepte präsentiert. Eine anschließende viereinhalbstündige Expertenrunde habe "neue Erkenntnisse und neue Sichtweisen" geliefert, sagte Hörmann.

Das Präsidium hatte in der Sitzung zehn Kriterien diskutiert, und von ihnen die Entscheidung abhängig gemacht. Zu den Kriterien gehören: Vision und olympisches Erbe, Gesamtkonzept der Spiele, Olympisches Dorf, Sportstätten, Umwelt und Nachhaltigkeit, Kosten und Finanzierung, Unterstützung der Bewerbung, Unterbringung und Transport sowie Paralympische Spiele und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Wichtig sei insbesondere die Stimmungslage in den Städten gewesen. "Es wird sicher sehr stark um die Frage gehen, welche Bevölkerung wird am Ende unser Projekt mehr unterstützen", hatte Hörmann bereits vor der Entscheidung im ZDF gesagt. Eine Meinungsumfrage des Instituts Forsa hatte in der vergangenen Woche ergeben, dass es 64 Prozent der Hamburger und 55 Prozent der Berliner begrüßten, wenn ihre Stadt die Spiele ausrichten würde.

"Das Konzept hat überzeugt"

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Empfehlung des DOSB-Präsidiums als eine große Ehre. "Wir glauben, dass es für Hamburg und für Deutschland und für alle, die am Sport begeistert sind und vom Sport begeistert sind, eine große Sache werden wird". Innensenator Neumann sah "das Konzept der Olympia-Bewerbung im Herzen der Stadt und das Herzblut der Hamburger" für Olympische Spiele als Siegesfaktoren der Hansestadt über Berlin an. "Wir müssen uns aber noch weiter steigern. Das ist der Startschuss für einen langen Marathon", sagte der SPD-Politiker.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bedauerte die Entscheidung zugunsten Hamburgs und gratulierte dem Konkurrenten. "Mit Berlin als weltweit beliebte und weltoffene Metropole hätte eine deutsche Bewerbung für die Spiele in 2024 oder 2028 international hervorragende Aussichten gehabt", teilte Müller mit. Er danke Hamburg "für den spannenden, fairen und sportlichen innerdeutschen Wettbewerb". Auch Sportsenator Henkel zeigte sich enttäuscht. Leider sei es nicht gelungen, mit den vielen Stärken Berlins den Umfragerückstand gegenüber Hamburg auszugleichen. "Wir wussten, dass das für den DOSB ein entscheidendes Kriterium gewesen ist."

Kompakte, nachhaltige Spiele am Wasser

Das Konzept der Hamburger sieht Spiele der kurzen Wege am Wasser vor. In einem Radius von zehn Kilometern soll der Großteil der Wettkämpfe mitten in der Stadt ausgetragen werden. "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg" heißt das Motto der Bewerbung, die die Abkehr vom Gigantismus vorsieht und sich dank des Reformprozesses im IOC gute Chancen ausrechnet.

Kompakte, nachhaltige und bürgernahe Spiele sollen es werden, so denn das IOC im Sommer 2017 auf der Session im peruanischen Lima tatsächlich für Hamburg entscheidet. Das für 70.000 Zuschauer geplante Olympiastadion auf der Elbinsel Grasbrook soll demnach im Anschluss der Spiele auf 25.000 Zuschauer zurückgebaut werden.

Entscheidung des DOSB am Samstag

Entschieden haben am heutigen Montag die acht Mitglieder des DOSB-Präsidiums, darunter Präsident Hörmann, sowie der Judo-Olympiasieger Ole Bischof. Die in Berlin lebende Vizepräsidentin Gudrun Doll-Trepper hielt sich für befangen und nahm nicht an der Abstimmung teil. 

Ihre Empfehlung richtet sich an die Mitglieder des DOSB, die am Samstag die endgültige Entscheidung treffen werden. Dann kommen sie für eine Vollversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Sie können für oder gegen die Empfehlung des Präsidiums votieren. Die Abstimmung gilt jedoch nur als Formalie.

Im September müssen die Bürger Hamburgs abstimmen, ob sich ihre Stadt für Olympia bewerben soll. Mindestens die Hälfte muss für die Bewerbung stimmen, sonst würde diese scheitern. Die Linken-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft kündigte bereits an, mit einer Anti-Olympia-Kampagne Stimmung gegen die Bewerbung machen. "Wir werden weiter daran arbeiten, dass dieses irrwitzige Großprojekt nicht zustande kommt", sagte der sportpolitische Fraktionssprecher Mehmet Yildiz.

Bis Hamburg aber tatsächlich den Zuschlag für die Spiele bekommt, ist es noch ein weiter Weg: Womöglich ist 2024 erst ein Testlauf für eine weitere Bewerbung vier Jahre später, denn die Chancen auf einen Zuschlag im ersten Versuch sind eher gering. Auch ist die internationale Konkurrenz groß. Favorit Boston und Rom stehen als Bewerber fest. Auch Paris erwägt eine Kandidatur. Möglicherweise steigen auch Budapest, Istanbul, Doha, Baku und eine australische Stadt ins Rennen ein.