Das moderne Leben ist manchmal ziemlich seltsam. Wir halten uns für viel schlauer als unsere Vorfahren, vor allem dank Twitter und Facebook, doch oft beweisen gerade diese unsere Erfindungen, dass wir nicht ganz so schlau sind, wie wir denken. Nehmen wir zum Beispiel das "Like". In der Regel erhalten meine besten Kolumnentexte die wenigsten "Likes", und die Bedeutungslosesten bekommen die meisten. Genauer gesagt: Meine letzte Kolumne war wirklich die beste, die ich je geschrieben habe, doch sie hat mehr Kommentare als "Likes" erhalten.

Wie Sie sicher wissen, bin ich ein sehr bescheidener Mann, und wenn ich sage, dass etwas, das ich gemacht habe, gut war, können Sie mir das glauben. 

In der letzten Kolumne habe ich über eine Dame geschrieben, die für psychisch krank erklärt wurde, weil sie sich weigerte, Kinder zum Judenhass zu erziehen, und die daraufhin ihre Stelle verlor. Ich habe außerdem Schulbuch für Dritt- und Viertklässler erwähnt, in dem Israel, und Juden im Allgemeinen, als ein Haufen böser Menschen dargestellt werden. Doch ein "Gefällt mir" war das meinen Lesern trotzdem nicht wert.

Doch genug davon. In dieser Kolumne geht es schließlich um Sport, nicht um Bildung. 

Reden wir über Fitness!

Wie beim letzten Mal erwähnt, befinde ich mich derzeit in New York. Und wie vor einiger Zeit erwähnt, habe ich zuletzt etwas zugenommen und suche jetzt nach Methoden, die zusätzlichen Kilos loszuwerden.

Es gibt keine Gerechtigkeit auf dieser Welt, das kann ich Ihnen sagen. Zuzunehmen ist schrecklich leicht, aber abzunehmen ist so, so schwer! Das ist total unfair und ungerecht!

Und doch ist das die Realität, der ich mich stellen muss.

Ich wollte spazieren gehen, was meiner Meinung nach die beste Fitnessübung überhaupt ist, doch in New York ist es gerade eiskalt. Ich habe schon 1.001 Mal gehört, dass die Erde immer wärmer wird, aber bisher habe ich davon noch nichts gesehen. Es ist verdammt kalt und ich muss abnehmen. Sofort!

Nur wie?

Zum Glück gibt es Österreicher in New York, und die feiern den Wiener Opernball am allerkältesten dieser New Yorker Abende, die perfekte Gelegenheit für mich, um abzunehmen.

Opernball heißt natürlich Walzer und Quadrille. Und das kann ich Ihnen sagen: Die österreichischen Tänze sind genauso gut wie spazieren zu gehen, wenn nicht besser.

Natürlich muss man wissen, wie diese Tänze funktionieren, was ich nicht weiß, doch Gott sei Dank sind die Österreicher von New York bereit, mir einen dieser Tänze beizubringen, die Quadrille.

Ich bin auf dem Ball. 

Damenwahl! © Isi Tenenbom

Um mich herum, meine Lieben, sind die besten der Besten – zumindest in finanzieller Hinsicht –, die New York zu bieten hat. Ich trage den Smoking meines österreichischen Schwiegergroßvaters und sehe großartig aus. Umwerfend, wenn ich so sagen darf! Wir stehen in zwei langen Reihen, die Damen in der einen, die Männer in der anderen, und lassen uns von einem Lehrer die Schritte erklären – hoffentlich ist er nicht psychisch krank. Er sagt uns, wie und wohin und wann wir uns bewegen sollen. Rechtes Bein, linkes Bein, umgedreht und los!

Wundersamerweise lande ich in 99 Prozent der Fälle in der Reihe der Damen. Fragen Sie mich nicht, wie das kommt. Ich habe keine Ahnung. Die Damen duften himmlisch, und ich liebe ihre Abendkleider! Ich nehme ab – zumindest denke ich das – und plaudere mit jeder Dame, die über ein Paar Ohren verfügt.

Ist das nicht traumhaft? Endlich habe ich Gerechtigkeit gefunden: Mit diesen Damen abzunehmen ist zehntausendfach besser als bei McDonald's zuzunehmen.

Um ehrlich zu sein, rede ich auch mit einem Mann. Einem Mann meiner Wahl, natürlich. Einem lieben Mann. Einem wunderbaren Mann. Einem klugen Mann. Einem Mann, der alles weiß. Sein Name lautet, bitte setzen Sie sich, Ban Ki Moon.

Ban Ki Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist ein furchtloser Mann, der der Eiseskälte von New York getrotzt und eine Pause von den Schlachtfeldern anderer Kontinente eingelegt hat, um sich der großen Sache anzuschließen, die tanzende amerikanische Österreicher nun einmal sind.

Und wir unterhalten uns.

Glauben Sie, frage ich Seine Hoheit, dass wir noch Frieden zwischen dem Araber und dem Juden erleben werden?

Ban Ki Moon ist vielleicht Koreaner von Geburt, doch heute Abend redet er wie ein Österreicher.

"So sollte es sein", antwortet er, als würde das irgendetwas bedeuten.

Doch ich, ein Österreicher im Smoking, lasse ihn nicht so schnell vom Haken. Ich frage ihn:

Wird es dazu kommen?

Dieser Ban Ki Moon ist nicht ohne Grund Generalsekretär der Vereinten Nationen geworden. Er begreift sofort, dass er seinem österreichischen Landsmann eine bessere Antwort geben muss, und das tut er auch:

"Wir arbeiten daran."

Und ich, der umwerfende Österreicher, der darauf verzichtet, mit den Damen zu tanzen, um sich mit diesem Mann zu unterhalten, kann jetzt nicht klein beigeben und wiederhole die Frage:

Aber wird es dazu kommen?

"Ja", sagt der frischgebackene Österreicher nun endlich.

Wir beide lächeln.

Ich weiß nicht, ob Sie mit dem österreichischen Dialekt vertraut sind, aber in Wien bedeutet "ja" gleichzeitig "nein".

Wir fühlen uns sofort miteinander verbunden und posieren innig für die Kameras. Wir, zwei alte Österreicher, glauben nicht an Facebook; wir liken einander in echt!