Wichtig: König Fußball © Pool/Getty Images Sport

Doping bringt Fußballern nichts. Mit dieser alten Ausrede versuchen es manche noch immer. Franz Beckenbauer zuletzt in einem viel beachteten Auftritt im ZDF-Sportstudio, keine zwei Jahre ist es her. Wer sagt, Beckenbauer sei ein Mann der Vergangenheit, übersieht, dass sein Wort noch immer zählt. Und dass viele ähnlich denken, zumindest reden.

Dass manche Fußballer sehr wohl an die leistungssteigernde Wirkung der Pharmazie glauben, will nun eine Kommission herausgefunden haben, die sich mit der Dopinggeschichte der Universität Freiburg befasst. Wenn stimmt, was sie sagt, wurde Stuttgart 1984 nicht nur dank Maultaschen Deutscher Meister. 

Stattdessen heißt es in einer Pressemitteilung eines Mitglieds der Kommission: "Gezeigt werden können erstmalig die Strukturen des Dopings im Fußball am Beispiel der hauptverantwortlichen Mitwirkung von Prof. Dr. Klümper inklusive der Finanzierung solcher Aktivitäten durch die Vereine." Gemeint sind der VfB Stuttgart und der SC Freiburg, sie hätten in den später Siebzigern und frühen Achtzigern "systematisch" mit Anabolika gedopt. Mithilfe von Armin Klümper, dem Guru aus Freiburg.

Die Berner Helden und die Droge der Wehrmacht

Wenn das Ergebnis der Untersuchung hält, was die Vorankündigung verspricht, wäre, auch wenn damalige Spieler und Mitarbeiter des VfB Doping bestreiten, ein historischer Sportskandal belegt. In Stuttgart spielten damals die drei Europameister Hansi Müller, Bernd und Karlheinz Förster und andere prominente Fußballer, etwa Dieter Hoeneß, Ottmar Hitzfeld oder Joachim Löw. Löw kickte auch lange in Freiburg.

Das ist lange her. Doch wer Doping im Fußball für ein Thema der Vergangenheit hält, ist naiv. Fußballer müssen mehr und schneller laufen als früher. Die Konkurrenz wächst ständig. Vor allem geht es in keinem anderen Sport um so viel Anerkennung und Geld. Der Gedanke, ausgerechnet der Fußball sei sauber, klingt absurd.

Zwar hilft Doping in der komplexen Sportart Fußball tatsächlich weniger als beim Radfahren oder Skilanglauf, mit Pillen und Spritzen bringt man keinem das Ballstoppen und Passen bei. Dennoch wirkt Doping auch für Fußballer. Mit Epo kann man länger laufen und öfter grätschen. Mit Stimulanzien wird man mutiger und später müde. Und in der Rehabilitation nach Verletzungen wären anabole Steroiden sogar so wirkungsvoll wie in anderen Sportarten. Darauf weist auch der DFB-Arzt Tim Meyer hin.

Und so führen die chemischen Spuren tatsächlich lückenlos von der Nachkriegszeit in die Gegenwart. Die Helden von Bern 1954 nahmen wahrscheinlich das verbotene Mittel Pervitin, eine Aufputschdroge der Wehrmacht. Bei drei Spielern der WM-Elf von 1966 wies man offenbar ein verbotenes Schnupfenmittel nach. Ehemalige Spieler und Trainer der Bundesliga erzählen, dass das Aufputschmittel Captagon in den Achtzigern wie Obst in der Kabine lag. Christoph Daum, Trainer des VfB Anfang der Neunziger, plauderte vom Einsatz von Clenbuterol, einem Mittel für Kälbermast, mit dem Katrin Krabbe erwischt wurde.