Kluger Trainer inmitten begeisterter Spieler: Pep Guardiola © Wolfgang Rattay/Reuters

Der Vollzug des Titels war symptomatisch für die Bayern. Nach ihrem geschäftsmäßigen 1:0 gegen Hertha am Samstag schauten sie am Sonntag zu, wie Wolfsburg in Gladbach verlor. In Gedanken waren sie vielleicht schon in Barcelona. Undramatischer, weißbierloser geht es nicht. Der FC Bayern wird mit den Füßen auf dem Couchtisch Deutscher Meister.

Es war ohnehin seit Langem nur eine Frage der Zeit, für manche stand der Meister schon vor der Saison fest. Sie sind die Reichsten, also landen sie vorne. Doch so selbstverständlich geht das nicht im Fußball. Es ist nicht nur das Geld, das die Bayern stark macht. Für den Erfolg sind vor allem ein kluger Trainer und begeisterte Spieler verantwortlich.

Mit dieser Mannschaft würde jeder Trainer Meister werden, sagen einige. Das ist erstens übertrieben. Zweitens muss man einwenden: Aber nicht so! Die Hymnen auf Pep Guardiola mögen manche nerven, sind jedoch sportlich berechtigt. Als erster Trainer wurde er im zweiten Versuch zum zweiten Mal Meister. Sein Punkteschnitt in der Bundesliga: rund 2,6, ein sagenhafter Spitzenwert. Der Zweitplatzierte hat 2,04.

Es sind aber nicht nur Zahlen, es ist auch der Stil, der Guardiola adelt. Seine taktische Detailarbeit ist beispielgebend. So fein choreografiert wie Bayern in Manchester im Herbst 2013 hat wohl noch nie eine deutsche Mannschaft Fußball gespielt. Das 6:1 gegen Porto in der Vorwoche war über weite Strecken von ähnlicher Qualität.

Offensiver als Guardiola kann man kaum spielen lassen. Seine Elf schoss bislang siebenundsiebzig Tore in der Liga. In den beiden Champions-League-Heimspielen der K.o.-Runde traf sie dreizehn Mal. In der gegnerischen Hälfte, am Strafraum, will Guardiola mit vielen Pässen und geschickten Bewegungen Überzahl schaffen. Das mag leicht aussehen, ist aber hochriskant und verlangt eine gute Absicherung.

Er hat zudem einen Blick für die höchste Qualität. Wie kaum ein Zweiter erkennt er den Unterschied zwischen 23 und 24 Karat. Louis van Gaal stellte Bastian Schweinsteiger ins Mittelfeld, Guardiola wählte Philipp Lahm als Zentrum. Das war die noch bessere Idee. Lahm hat mehr Übersicht und kann Angriffe lenken, auch wenn er von Gegenspielern umzingelt ist.

Unter Guardiola kaufen die Bayern nicht nur Qualität, wie man es ihnen gerne vorhält, sie schaffen sie auch. Xabi Alonso war ein konservativer Transfer, der in der Bundesliga sofort funktionierte, in der Champions League aber auch an Grenzen stieß. Guardiola hatte jedoch auch schon das Juwel Thiago geholt, der in Barcelona meist auf der Bank saß. Und wer kannte vor der Saison Juan Bernat? Jetzt sieht man: Mit solchen Spielern kann man die Champions League gewinnen. Thiago und Bernat haben ihren Marktwert in München deutlich gesteigert.

Natürlich hat Guardiola ein außerordentliches Team vorgefunden. Die Spieler von Bayern München haben sichtbar Lust an ihrem Job. Sie können nicht genug kriegen vom Siegen und Toreschießen. Nicht nur im Verein. Sie bildeten die Achse des Erfolgs von Rio: Lahm, Müller, Neuer und Boateng über das gesamte Turnier, Schweinsteiger und Götze im Finale. Der Titel von Rio war vor allem der Titel des FC Bayern. Üblicherweise verfallen manche Profis danach dem WM-Blues, körperlich und geistig. Nicht diese Bayern.

Dennoch haben viele keinen Spaß an den spielfreudigen Bayern. Zu weit scheinen sie dem Rest enteilt, zu langweilig wirkt die Bundesliga. Doch kann man ihnen vorwerfen, dass sich die wenigsten Mannschaften gegen sie etwas zutrauen? Dass die wenigsten Trainer ihre Schwächen nutzen oder erkannten, die sie etwa durch die Verletzungen von Lahm und Thiago über Monate zeigten? Oder dass einigen Schiedsrichtern der Mut fehlt, einen Elfer gegen die Stars zu verhängen?

Der Erfolg der Bayern ist kein Naturgesetz, er ist von Menschen gemacht. Wer das Titelrennen auf Jahre hinaus abschreibt, sei vertröstet. Auch Bayern hängt von Einzelspielern ab, das sah man nicht nur beim 1:4 in Wolfsburg, dem mit Abstand schlechtesten Spiel Guardiolas. Einige der Leistungsträger sind über dreißig Jahre, müssen bald ersetzt werden. Und ihr Trainer gilt nicht als einer, der Wurzeln schlägt.