Die Deutschen mögen kein Risiko, es kann ja auch so viel passieren. Deshalb versichern sie sich gegen so gut wie alles. Dagegen, dass ihnen ihr Reisegepäck abhanden kommt. Gegen zerborstene Fensterscheiben und Magenkrebsoperation der Hauskatze. Es soll sogar Policen geben, die das Nein des Partners direkt vor dem Traualtar abdecken. Oder Pech beim Lottospielen. Deutschland versichert sich gern. Hallo, Herr Kaiser!

Im Land des Garagenrabatts steht auch der Fußball nicht im Regen. Proficlubs erhalten Entschädigungen, sollten ihre teuren Assets sich für immer die Haxen brechen. Selbst Fans bekommen Versicherungen auf den durch Bier geformten Leib geschneidert: Beim FC Bayern gibt es eine Stadion-Police. Die schützt die Fans vor Verspätung, Schlüsselverlust und Unfällen bei Heimspielen. Der FC Bayern gehört praktischerweise zum Teil einem Versicherungskonzern.

Schlecht für den Spielfluss, gut für den Schadensfall

Noch origineller ist, was aus Dortmund berichtet wird. Der BVB soll sich gegen das Verpassen der Champions League abgesichert haben. Die Einnahmen, die den Dortmundern in der kommenden durch die miese jetzige Saison verlustig gehen, bekommen sie erstattet. Im vergangenen Jahr waren das immerhin 34,7 Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund sehen wir die rührenden Dortmunder Angriffs- und Abwehrversuche der vergangenen Monate in einem neuen Licht. In der 80. Minute reißt sich für einen ollen vierten Platz keiner mehr ein Bein aus, wenn die Assekuranz von den Bermudas einspringt. Ab Platz fünf zahlt Herr Kaiser.

Henrich Mchitarjan wäre sicherlich Torschützenkönig geworden, wenn er die verlockende Police aus seinem schlauen Kopf bekommen hätte. Mats Hummels ist auch ein richtig guter Abwehrspieler, dachte aber immer nur an Bemessungsgrundlagen, Deckungsunterbrüche und Kulanzregulierungen. Und die Fehlpässe von İlkay Gündoğan waren vielleicht schlecht für den Spielfluss, aber gut für den Schadensfall. Ist die Saison des BVB in Wahrheit nur ein gigantischer Versicherungsbetrug? 

Schadenfreiheitsrabatt für Real Madrid

Wir warten nun darauf, dass Dante ein Police gegen Stockfehler abschließt. Oder auf die Mario-Gomez-Versicherung, die Fußballer schützt, deren Schüsse dem Trainer den Schlaf rauben und Zuschauer schwer verletzen. Auch im Alltag hätten Absicherungen gegen das eigene Scheitern großes Potenzial. Uns Journalisten würde etwa eine Absicherung gegen zu steile Thesen gut tun, oder gegen zu flache Glossen.   

Ein Versicherungsexperte schätzt übrigens, dass die Dortmunder für die Champions-League-Absicherung jährlich etwa 30 Prozent der Versicherungssumme zahlen mussten. Real Madrid dagegen genießt den größten Schadensfreiheitsrabatt und muss nur fünf Prozent löhnen. Auch eine harte Erkenntnis: Einige scheitern teurer als andere. Und wer versichert eigentlich noch den HSV?