ZEIT ONLINE: Herr Ebel, die TV-Quoten sind mau, zu den Rennen kommen auch weniger Zuschauer, Sponsoren ziehen sich zurück, immer mehr Teams kämpfen ums Überleben. Fährt die Formel 1 in eine Sackgasse?

Kai Ebel: Ich glaube es verändert sich im Moment wieder. Nach dem Rennen in Malaysia sind alle ins Schwärmen geraten. Sebastian Vettel gewinnt auf Ferrari, Mercedes ist doch nicht unschlagbar – das war sehr spannend und hat Emotionen freigesetzt.

ZEIT ONLINE: Aber bei den vielen Regeländerungen blickt doch kaum noch jemand durch.

Ebel: Die Regeln müssen einfach besser erklärt oder die komplizierten Dinge kompliziert gelassen werden. Ich muss doch dem Zuschauer bei einem Motorschaden nicht detailliert erläutern, ob die MGUK gerade nicht richtig Saft bekommen hat. Es reicht zu sagen: Die Antriebseinheit hatte zu wenig Power und deswegen ist das Fahrzeug liegen geblieben. Oder im einfachsten Fall: Der Motor ist kaputtgegangen.

ZEIT ONLINE: Rückt der Fahrer mit seinem Können durch die Technisierung der Formel 1 immer mehr in den Hintergrund?

Ebel: Wir leben allgemein in einem Jahrhundert, in dem die Technik überhandnimmt. Und dann sagen wir, die Formel 1 soll bitte nicht kompliziert sein? Die Formel 1 ist schon immer ein Ingenieurssport gewesen und war schon immer die Königsklasse. Als solche muss sie eine Vorreiterrolle haben. Sie kann ja nicht primitiver sein als die Autos, die auf der Straße fahren.

ZEIT ONLINE: Ein Ergebnis der vielen Regeländerungen in den vergangenen Jahren waren leisere Motoren. Nervt sie das?

Ebel: Die Lautstärke der Motoren war ein anarchisches Merkmal der Formel 1, das stimmt. Und ich kann es verstehen, wenn man sagt, diese lauten Geräusche gehören zu den wichtigen Features. Ich fand das auch immer aufregend, wenn Leute an die Strecken kamen und sagten: Boah, ist das laut!

ZEIT ONLINE: Aber?

Ebel: Für mich persönlich ist es einfacher. Bei Interviews verstehen mich die Gesprächspartner besser und wir können problemlos Sitzungen abhalten. Und wenn die Rennen auf der Piste spannend sind, und sich die Fahrer harte Duelle liefern, ist es doch egal, ob das laut oder leise passiert. Außerdem sind die Autos wieder einen Ticken lauter und kerniger geworden. 

ZEIT ONLINE: In Deutschland findet kein Grand-Prix statt, auch das Traditionsrennen in Monza ist gefährdet. Dem Chefvermarkter Bernie Ecclestone scheint es nur noch ums Geld zu gehen, danach vergibt er auch die Rennen, vor allem in Länder im Osten ohne große Formel-1-Tradition. Was für eine Außenwirkung das hat, muss Ecclestone doch bewusst sein.

Ebel: Die Formel 1 ist immer noch sein Baby und ich glaube nicht, dass er der ganzen Geschichte schaden möchte. Ich würde mir wünschen, dass wir wieder mehr europäische Rennen haben und auch neue dazubekommen. Es gibt im Westen gute Beispiele: Austin ist ein tolles Rennen, Mexiko kommt dazu, die sind sehr rennbegeistert, Österreich hat ein Wahnsinnscomeback hingelegt. Im hochgelobten Osten funktionieren die Rennen teilweise ja nicht lange. Korea, Indien – da ist die Formel 1 wieder weg. In der Türkei hat es auch nicht funktioniert. Wie Sotschi wird, muss man abwarten.

ZEIT ONLINE: Ecclestone schlug am Rande des Grand-Prix von Malaysia eine separate WM-Wertung für Frauen vor. Denkbar sei es, die Rennen vor dem WM-Lauf der Männer am Sonntag oder am Samstag vor der Qualifikation auszutragen.

Ebel: Bernie versucht halt etwas zu bewegen, damit sich was tut. Er hat natürlich auch immer seinen britischen Humor mit im Handgepäck. Aber man darf nicht den Fehler machen und alles von Rennen zu Rennen hinterfragen und die Formel 1 komplett umkrempeln. Eine gewisse Verlässlichkeit muss da sein.

ZEIT ONLINE: Sie sind seit 1992 dabei. Wie hat sich die Formel 1 bis heute verändert?

Ebel: Vieles ist professioneller geworden. Früher mussten wir wirklich noch die Ellenbogen einsetzen, um an Interviews zu kommen und es war immer auch Glückssache, wen man bekam. Wenn man heute ein Interview braucht, bekommt man es in der Regel – da hat die Einführung der Mixed-Zone sicherlich geholfen.

ZEIT ONLINE: Und aus sportlicher Sicht?

Ebel: Ich finde die Formel 1 ist viel deutscher geworden. Mittlerweile kommt man an keinem Motorhome vorbei, in dem nicht mindestens einer Deutsch spricht. 

ZEIT ONLINE: Trotzdem wurde der Grand-Prix in Deutschland dieses Jahr gestrichen.

Ebel: Ich bedauere das sehr, aber das Geld hat gefehlt und so läuft es dann eben. Die Verantwortlichen am Nürburgring wollten das Rennen unbedingt durchboxen. Aber als es darauf ankam haben sie gemerkt, dass sie das Geld nicht haben. Hockenheim ist eingesprungen, hat dann aber auch gemerkt, dass sie das nicht leisten können. Wenn man erst nach Weihnachten mit dem Kartenverkauf und dem ganzen Drumherum beginnt – wie soll man das noch hinkriegen?