Wie die meisten Fußballtrainer spricht Dinalo Christiano Adigo am liebsten über Fußball. Der 42-Jährige, der so fit aussieht, als ob er selbst noch spielte, liebt es, über Abwehr- und Angriffsstrategien zu philosophieren. Über die Ziele mit seiner Mannschaft, dem Sechstligisten FC Anker Wismar, sagt er: "Wir wollen aufsteigen."

Dass man mit Adigo auch über etwas anderes reden möchte, liegt an seiner Herkunft. Er stammt aus dem westafrikanischen Benin. Und es liegt an dem Ort, in dem er lebt. Das maritime Wismar an der Ostsee ist zwar bei Touristen beliebt. Doch ist die Region um Wismar eine Hochburg der Rechtsradikalen.

Auf YouTube findet man unter dem Stichwort "Wismar" Videos von Neonazis, die linke Demonstranten mit Baseballschlägern entgegentreten; eine halbe Million Mal wurde das meistgesehene geklickt. Keine 20 Kilometer von Wismar entfernt steht in Grevesmühlen das Thinghaus, ein Treffpunkt ranghoher Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern. Jamel in Wismars direkter Nachbarschaft gilt als Nazidorf.

Wie geht es einem Schwarzen in dieser Gegend?

Die Tochter spielt in der U16 des DFB

"Menschen, die mich kennen, haben kein Problem mit mir", sagt Adigo lächelnd. Er sitzt an einem Konferenztisch eines Außenhandelsunternehmens, für das er im Vertrieb arbeitet, und schwärmt von einem Deutschland, in dem Disziplin viel zähle und man sich durch Leistung etwas erarbeiten könne. "Ich spüre die Unterstützung der Stadt und der Fans", sagt Adigo.

Wenn man dem ehemaligen Nationalspieler Benins zuhört, kommt man nicht auf die Idee, dass Fremdenfeindlichkeit in Deutschland seit einigen Jahren vielerorts wieder zunimmt. Doch Angriffe auf Einrichtungen für Asylbewerber häufen sich, nicht nur in Tröglitz. In Dresden zieht die deutschtümelnde und hasserfüllte Pegida-Bewegung noch immer Tausende an. Durch ostdeutsche Kleinstädte patrouillieren kahlköpfige Bürgerwehren, Journalisten und engagierte Bürger werden von ihnen jedoch nicht beschützt, sondern bedroht. In manchen Ecken Deutschlands, ob Ost oder West, sind Flüchtlinge nicht willkommen.

Adigo jedoch verteidigt das Land, das er sein Zuhause nennt. "Das sind Minderheiten", sagt er, "die deutsche Gesellschaft ist viel stärker als diese kleine Gruppe." Ähnlich dachte er Anfang der Neunziger, als er über Belgien nach Deutschland kam, um als Profi sein Glück zu versuchen. Attacken wie in Hoyerswerda, Solingen, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen schreckten ihn schon damals nicht ab. "Ich bin weltoffen und mag keine Vorurteile, ich wollte das Land kennenlernen", sagt er. Inzwischen lebt er seit 20 Jahren hier, seine vier Kinder sind in Deutschland geboren, die älteste Tochter spielt in der U16-Nationalmannschaft des DFB.