An diesem Wochenende begannen die Playoffs der deutschen Basketball-Liga (BBL), zum ersten Mal seit vier Jahren ohne die Artland Dragons aus der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück. Daran muss man sich gewöhnen, denn die Dragons ziehen sich aus ökonomischen Gründen zurück, gehen freiwillig in die Dritte Liga. Die Nachricht kam nur digital. Für die vielen Dragons-Fans muss sie sich so angefühlt haben, als würde eine lange Beziehung per SMS beendet.

Die BBL wächst seit Jahren. Es kommen mehr Zuschauer, die Vereine machen größere Umsätze. Doch wieder verliert sie einen wichtigen Verein. "Der Standortnachteil hat sich über die Jahre immer stärker durch die Weiterentwicklung der BBL herauskristallisiert", heißt es aus Quakenbrück. Für Spitzenbasketball gebe es keine Perspektive mehr. In dieser Formulierung steckt die vorwurfsvolle Frage, die jetzt viele stellen: Setzt die BBL zu sehr auf Wachstum?

In den vergangenen Jahren mögen die Erfolge zwar ausgeblieben sein, doch die Dragons waren seit 2000 eine feste Größe im deutschen Basketball. Dank der finanziellen Unterstützung des Mäzens Günter Kollmann standen sie 2007 im Play-Off-Finale, gewannen 2008 den BBL-Pokal. In der heißen Atmosphäre im Artland, wo die Halle 128 Mal in Serie ausverkauft war, spielte kein Gast gerne. Der Trainer des FC Bayern Svetislav Pešić sagt nun: "Quakenbrück ist eine Basketballstadt, die Halle ist immer ausverkauft, die Liga braucht Quakenbrück." Doch Kollmann bleibt dabei, er zieht sich zurück, ohne sein Geld geht nichts in Quakenbrück.

Das Aus der Dragons ist kein Einzelfall. In der jüngeren Vergangenheit führten finanzielle Probleme zum Rückzug vieler Clubs. BG Göttingen stand mehrfach kurz vor der Insolvenz, obwohl der Verein 2010 die Euro Challenge gewonnen hatte, den drittwichtigsten Europapokal. 2014 geriet Würzburg in Not. Weil der Verein die Liga nicht rechtzeitig informierte, wurden ihm Punkte abgezogen und er stieg ab. Die Gießen 46ers, lange Zeit der dienstälteste Bundesligist, meldeten 2013 Insolvenz an. Im März wurde die TBB Trier zahlungsunfähig. Trier hatte seit Januar keine Gehälter überwiesen und steigt nun ab.

Es mag verschiedene Ursachen für die vielen Pleiten geben, etwa Großmannssucht oder Misswirtschaft durch die Vereinsführungen. Doch sie haben einen Nenner. Seit Jahren schwelt im deutschen Basketball ein Konflikt zwischen der BBL-Spitze um den Geschäftsführer Jan Pommer und vielen Clubs. Es ist ein Konflikt zwischen Groß und Klein, zwischen Geld und Tradition.

Pommer will, dass aus der Bundesliga bis 2020 die beste Liga Europas geworden sein wird. Sein Leitbild ist Bayern München. Die Bayern stiegen vor vier Jahren in die Bundesliga auf, im Vorjahr wurden sie Meister. Der große Fußballname zieht die Leute in die Hallen. Pommer wollte mehr davon, warb um Schalke 04, Borussia Dortmund und die Stadt Hamburg. Mit Teams aus Großstädten kommt man Europa näher.