Chuck Blazer im Jahr 2012 (Archiv) © AFP/Getty Images

Charles Blazer war eine Macht im Weltfußball. Der schwergewichtige New Yorker hatte seinen Job verloren und die Schulden drückten ihn, als er im November 1989 nach Port of Spain reiste, um am Rande eines WM-Qualifikationsspiels der amerikanischen Nationalmannschaft die Weichen für eine Traumkarriere zu stellen.

Wenige Monate später hatte es Blazer zum Generalsekretär des amerikanischen Fußballverbands Concacaf gebracht und ins Exekutivkomitee der Fifa geschafft. Er häufte ein Millionenvermögen an, residierte in einem Luxusappartement in der Fifth Avenue und in einem Feriendomizil auf den Bahamas. Er verkehrte mit den Reichen und Mächtigen – von Wladimir Putin bis Nelson Mandela. Im Jahr 2007 schickte ihm Franz Beckenbauer eine Weihnachtsbotschaft per Video.


Wer den Fifa-Skandal verstehen will, der muss bei Charles Blazer beginnen. Er ist die Schlüsselfigur in diesem beispiellosen Krimi. Denn Charles Blazer ist der Kronzeuge der amerikanischen Ermittlungsbehörden. Er hat mit ihnen kooperiert und wichtige Informationen geliefert. Dies geht aus der Anklageschrift des zuständigen Distriktgerichts von New York und Recherchen amerikanischer Medien sowie von ZEIT ONLINE hervor.

Demnach hat Blazer einen klassischen Fehler vieler Großkrimineller begangen: Er hat seine Steuern nicht rechtzeitig bezahlt. Die Steuerbehörde konnte ihm nachweisen, zwischen 2005 und 2010 keine Steuererklärung abgegeben und damit eine Einkünfte nicht ordentlich deklariert zu haben. Damit hatten die Ermittler ein Druckmittel in der Hand, um ihn zur Kooperation zu zwingen – und im Auftrag der amerikanischen Bundespolizei horchte Blazer Fußballfunktionäre auf der ganzen Welt aus. Blazer war nun ein Maulwurf.

Nach Berichten der in New York erscheinenden Daily News wurde Blazer nach London geschickt, um während der Olympischen Spiele im Jahr 2012 mit einem in einem Schlüsselbund versteckten Mikrofon Gespräche mit Fifa-Mächtigen aufzuzeichnen. Er fragte demnach auch ein Treffen mit Alexey Sorokin an, dem Chef des Organisationskomitees für die WM in Russland. Ob es zu diesem Treffen kam, ist aber nicht bekannt. Auch für Informationen über Fifa-Chef Sepp Blatter interessierten sich Blazers Auftraggeber.

Mit Hilfe der Informationen von Blazer konnten die Behörden die Finanzströme innerhalb der Fußballorganisation entwirren und ihren Fall vorantreiben. Dabei machten sie sich eine Besonderheit des Weltfinanzsystems zunutze. Weil der Dollar die Weltleitwährung ist, müssen grenzüberschreitende Überweisungen in der Regel über New York abgewickelt werden – und unterliegen damit nach amerikanischer Interpretation der amerikanischen Gerichtsbarkeit. In den Gerichtsakten ist eine Zahlung eines Unternehmens in Montevideo, Uruguay über eine in New York ansässige Tochtergesellschaft der britischen Bank Barclays auf ein Konto Blazers auf den Cayman-Inseln dokumentiert.

Wie die Geschichte für Blazer ausgeht, ist offen. Die Anklageschrift gegen ihn umfasst zehn Punkte. Seine Anwälte wollen keinen Kommentar abgeben. Die New York Times spürte ihn am Mittwoch dieser Woche in einem Krankenhaus auf. Er kam gerade von einer Operation, der er sich unterziehen musste, weil bei ihm Darmkrebs diagnostiziert worden war.