ZEIT ONLINE: Herr Schalekamp, was ist die Defa?

Mark Schalekamp: Die Defa ist die Democratic Football Association, wir befinden uns gerade im Aufbau. Sie ist ein Nachfolger der Initiative fifathinkagain, die wir ein Jahr nach den WM-Vergaben an Katar und Russland ins Leben gerufen hatten. Wir waren der Meinung, die Fifa sollte diese Vergabe überdenken. Und weil sie nicht auf uns hörte, was wir uns schon gedacht hatten, haben wir die Defa gegründet.

ZEIT ONLINE: Wie lange gibt es sie schon?

Schalekamp: Acht Monate. Aber wir haben das nicht mit voller Kraft vorangetrieben, weil wir nebenbei Fulltimejobs haben. Im Moment sind wir damit beschäftigt, Leute in anderen Ländern zu kontaktieren. In Argentinien, England und Österreich. In acht oder neun Ländern haben wir jetzt Personen, die uns gerne beitreten und ihre Nationalverbände gründen möchten.

ZEIT ONLINE: Gibt es schon einen in Deutschland?

Schalekamp: Noch nicht, das wird aber einer der nächsten sein. Wir würden gerne bald einen Gründungskongress abhalten und parallel dazu ein Fußballturnier organisieren. Sie sind herzlich eingeladen. Wenn Sie als Deutsche Fifa-Weltmeister sind, gelten Sie auch bei der Defa-WM als Favorit.

ZEIT ONLINE: Was läuft falsch bei der Fifa?

Schalekamp: Ich bin 45 Jahre alt und Fußballfan, seit ich zwölf bin. Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben gezeigt, wie überkommerzialisiert Fußball ist. Es ist zu viel Geld im Spiel. Zu viel Geld und keine Kontrolle – das ist das perfekte Rezept für Korruption.

ZEIT ONLINE: Was wäre bei der Defa anders?

Schalekamp: Sie wird komplett transparent sein. Vielleicht erinnern Sie sich: Zur vergangenen Präsidentschaftswahl kandidierte auch ein amerikanischer Journalist namens Grant Wahl. Dafür musste er als Außenseiter einen nationalen Verband finden, der ihn nominiert. Er fand keinen, nicht einmal das kleinste Land wollte ihn nominieren. Heute bräuchte man fünf Verbände. Statt offener zu werden, hat sich die Fifa weiter verschlossen. Wir werden das Gegenteil machen. Wir werden offen sein, werden den Fußball modernisieren.

ZEIT ONLINE: Kann man die Kommerzialisierung umkehren?

Schalekamp: Das ist der leichteste Part. Die Fifa bekommt ihr Geld von TV-Sendern und Sponsoren. Wir könnten eine Obergrenze einführen. Die Sender müssten nicht mehr so viel für die TV-Rechte zahlen. Nicht der Sender mit dem höchsten Gebot bekommt den Zuschlag, sondern der, der die WM auf die attraktivste Art übertragen möchte. Wir würden versuchen, viel mehr Geld zu nutzen, um Fußball weltweit zu entwickeln. Wir brauchen Trainer in ärmeren Ländern und Fußballplätze. Ich glaube, Fußball könnte in der Gesellschaft eine große positive Rolle spielen...

ZEIT ONLINE: ...das sagt Sepp Blatter auch ständig.

Schalekamp: Okay, er ist vielleicht nicht komplett dumm. Fußball könnte wirklich eine noch viel größere Rolle spielen, wenn es darum geht, Brücken zu bauen.

ZEIT ONLINE: Noch andere Ideen?

Schalekamp: Wir könnten eine grüne Karte für Zeitstrafen einführen. Und meine Kollegen stimmen mit mir nicht überein, aber da ich hier ja mit Ihnen rede, kann ich es ja sagen: Ich mag die Idee, dass die Leute ihr Nationalteam wählen können, übers Internet zum Beispiel. Aus, sagen wir, 100 Leuten wählen die Leute dann den Kader von 23 Mann. Dann übernimmt natürlich der Trainer.

ZEIT ONLINE: Wie viele Leute sind bereits in der Defa involviert?

Schalekamp: Da müsste ich mal durchzählen, ich schätze so 15 oder 20 Leute. Aber es bewegt sich was. Ich komme gerade aus einer holländischen Talkshow, in der ich die Defa erklärt habe.

ZEIT ONLINE: Wenn Sepp Blatter heute gewinnt, muss er also Angst vor Ihnen haben.

Schalekamp: Ich wünschte, ich könnte Ja sagen. Wir sind nicht naiv, aber wir meinen es ernst. Wir wissen, es braucht Zeit und Geld, aber es kann funktionieren.