Die US-Justizministerin Loretta Lynch hat nach der Festnahme mehrerer Fußball-Funktionäre in der Schweiz von Korruption seit mindestens 24 Jahren gesprochen. "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern", sagte sie bei einer Pressekonferenz in New York. "Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier." Sechs Funktionäre seien bereits geständig, sagte Lynch, die ankündigte, die Korruption im Weltfußball rigoros bekämpfen zu wollen.  

Allein im Zusammenhang mit der Copa América 2016 seien in den USA rund 110 Millionen Dollar (101 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern geflossen, sagte Lynch. Sie bedauere, dass auch historische Ereignisse wie die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika 2010 durch kriminelle Handlungen beschädigt worden seien, sagte Lynch. Zudem sei auch bei der Fifa-Präsidentschaftswahl 2011 Korruption im Spiel gewesen.

Die Copa America findet 2016 erstmals außerhalb von Südamerika statt. Das Turnier wird anlässlich des 100. Geburtstages des südamerikanischen Verbandes erstmals als Gemeinschaftsevent Copa América Centenario in den USA ausgetragen. In Bezug auf die Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 sagte Lynch, die Fifa müsse "tief in ihre Seele blicken". Die amerikanischen Behörden seien damit aber nicht befasst. 

Lynch sagte, es gebe bei der Fifa noch einen großen Aufklärungsbedarf und forderte die Festnahme weiterer Verdächtiger. Ob auch Fifa-Präsident Sepp Blatter Ziel der US-Ermittlungen sei, wollte sie nicht beantworten. Sie sagte lediglich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde Blatter nichts vorgeworfen. Ziel ihres Ministeriums sei es nicht, die 2018 und 2022 in Russland und Katar geplanten Fußballweltmeisterschaften zu verhindern.

Die heutigen Festnahmen von sieben Fifa-Funktionären in Zürich seien nur der Anfang, sagte der zuständige Staatsanwalt Kelly Currie. "Der organisierte internationale Fußball braucht einen neuen Start – eine neue Chance für die Institutionen, um eine ehrliche Aufsicht und Unterstützung für einen Sport herzustellen, der auf der ganzen Welt geliebt wird." Alle Angeklagten hätten das US-Finanzsystem und ihre Positionen für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. "Was sie gemein hatten, war die Gier", sagte Currie.

Insgesamt beschuldigt das US-Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatten, 14 Personen. Darunter sind Fifa-Vizechefs Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Ihnen wird organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Sie sollen seit Anfang der 1990er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

Lynch versprach den Verhafteten einen fairen Prozess in den USA. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft – die Höchststrafe in solchen Fällen von organisierter Kriminalität. Im nächsten Schritt gehe es um die Auslieferung der Angeschuldigten in die USA.

Jedoch widersetzen sich die Verhafteten in der Schweiz derzeit mehrheitlich einer Auslieferung. Nur eine von sieben Person habe in der ersten Anhörung Bereitschaft zu einer vereinfachten Auslieferung signalisiert, teilte das Schweizer Justizministerium mit. Die Schweizer Behörde werde die USA nun auffordern, für die übrigen sechs Personen innerhalb von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsersuchen zu stellen.