Die Pressekonferenz der Fifa war eine Demonstration der Macht und Ignoranz. Als wären Fragen eine Zumutung, quittierte der Pressesprecher fast jede mit Stöhnen und Augenverdrehen. Er sagte, die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 würden in Russland und Katar stattfinden, womit er den Ermittlungen vorgriff. Die Präsidentschaftswahl werde nicht verschoben, obwohl das das Mindeste ist, was man in solchen Momenten erwarten darf. Die Fifa sagt: "Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun."

So einfach geht das. Die Pressekonferenz war der erwartete Beweis, dass Joseph Blatter auch die neuesten Vorfälle aussitzen will. Sieben verhaftete Fifa-Funktionäre, darunter zwei Vizepräsidenten, es ist sein größter Skandal, was etwas heißen will in der Fifa. Die Blamage ist immens. Doch wahrscheinlich wird Blatter am Freitag wiedergewählt.

Dabei sollte er schon lange die Fifa nicht mehr führen. Ihm mag zwar rechtlich nichts nachzuweisen sein und er mag sogar Teile der Ermittlungen initiiert haben. Aber er ist als Präsident seit 1998 und hochrangiger Funktionär seit 1975 der politisch Verantwortliche für den desaströsen Zustand der Fifa. Und er ist Profiteur dieses Systems.

Gier, Macht und Champagner

Die Liste der Skandale und Missstände der Blatter-Fifa ist lang. Schon nach seiner Wahl 1998 redeten einige über Briefumschläge mit Geldscheinen. Für die WM 2022 in Katar sterben nach wie vor Gastarbeiter. Den alten und neuen Generalsekretär Jérôme Valcke darf man einen Serienlügner nennen, sagte ein Gericht. Whistleblower wie Bonita Mersiades und Phaedra Almajid, die aufklären wollen, werden verhöhnt.

Die Häme im Netz über die Fifa ist stets gewaltig. So gut wie niemand glaubt, dass Russland und Katar die WM nur mit ehrenwerten Methoden bekommen haben. Doch auch bei der WM-Vergabe nach Deutschland gab es Unregelmäßigkeiten. Noch in der vorigen Woche wurde bekannt, dass der österreichische Verbandschef eine sechsstellige Spende von der Fifa für ein Sozialprojekt seiner Ehefrau angenommen hatte. Er sollte wohl Blatter wählen.

Weil in der Fifa über Fairplay nur geredet wird, die wahren Standards aber Gier und Macht, Champagner und Cash sind, gibt es keine mächtige Opposition, die nun einspringen könnte. Die Präsidenten aus England und Holland haben sich zwar von Blatter distanziert, und der DFL-Präsident Reinhard Rauball ihm den Rücktritt nahegelegt. Doch das sind selbst in der Uefa Ausnahmen. Und in Ländern wie Guam oder den Cayman Islands gelten andere Compliance-Regeln als im Westen. Ihre Stimmen jedoch zählen in der Fifa genauso viel.

Uefa droht mit Boykott

Die Familie hält zusammen, dazu zählen auch Sponsoren. Sie verstehen unter Werten offenbar etwas anderes als Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Blatter stammt sogar aus der adidas-Schule. Was auch dazugehört: Wir Medien berichten weiter über Wettbewerbe der Fifa. Kritische Fans regen sich mehr über Stadionverbote auf als über korrupte Fußballfunktionäre.

Doch der heutige Mittwoch könnte der Tag sein, auf den alle der Millionen Gegner Blatters gewartet haben. Die Uefa forderte am Abend, die Präsidentenwahl zu verschieben und droht, den Kongress zu boykottieren. Das ist ein Novum, ein starkes Zeichen.

Die wahre Gefahr für Blatter aber kommt von außen: von Polizisten und Staatsanwälten, von Kronzeugen und Insidern. Was die Ermittler herausgefunden haben wollen, könnte das Fifa-System ins Kippen bringen. Das US-Justizministerium hat große und deutliche Worte gefunden und offensichtlich großen Ehrgeiz entwickelt. Die Schweizer schlagen leisere Töne an, mit sich spaßen lassen sie aber auch nicht.

Wenn auch nur halb so viel ans Tageslicht kommt wie angekündigt, könnte es bald eng werden. Für Blatter, aber nicht nur ihn. Das FBI spricht auch über Südafrika, den WM-Gastgeber von 2010, die USA, den Gastgeber der Copa América 2016, oder die Verbindung zwischen Brasilien und Nike. Um Katar und Russland kümmert sich die Schweiz. "Fußball ist ein schönes Spiel, aber es wurde entführt", sagte ein amerikanischer Ermittler. Offenbar ist nun jemand gefunden, der es befreien will.