Zwei Tage vor dem Fifa-Kongress haben Schweizer Sicherheitsbehörden am frühen Morgen sechs Funktionäre des Weltfußballverbands festgenommen und in Auslieferungshaft gesteckt. Den offiziell namentlich nicht genannten Personen wird von US-Ermittlern vorgeworfen, seit Anfang der 1990er Jahre Millionensummen und verdeckte Provisionen angenommen zu haben. Die Schweizer entsprachen mit dem Zugriff im Zürcher Nobelhotel Bar au Lac einer Bitte der amerikanischen Justiz.  

Damit bestätigt sich ein Bericht der New York Times, deren Reporter bei der Polizeiaktion zugegen waren und Details twitterten. Fifa-Präsident Sepp Blatter nicht unter den Abgeführten, aber sein Stellvertreter Jeffrey Webb, wie auch ein BBC-Korrespondent berichtete und in einer späteren Mitteilung der Schweizer Ermittler zu lesen ist. Webb steht den Fußballverbänden Nord- und Mittelamerikas und der Karibik vor. Den Festgenommenen droht nun die Auslieferung in die USA, wo die Staatsanwaltschaft gegen mehr als zehn Personen eine Anklage vorbereitet. 

Die Schweizer Kantonspolizei will die Verdächtigen noch heute anhören. Sind sie einverstanden, könnten sie sofort ausgeliefert werden. Anderenfalls müssten die USA ein formelles Auslieferungsersuchen an die Schweiz stellen, heißt es in einer Mitteilung des Bundesamtes für Justiz.

Die mutmaßlichen Bestecher sollen laut dem Justizamt Vertreter von Sportmedien und Sportvermarktungsunternehmen sein. Sie ermöglichten demnach Zahlungen an Delegierte der Fifa und andere Funktionäre von Fifa-Unterorganisationen in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar. Als Gegenleistung sollen sie bei der Austragung von Fussballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben.

Die Deals bereiteten die Verdächtigen laut den US-Ermittlern in den USA vor; zudem wurden Zahlungen über US-Banken abgewickelt.

Der 79-Jährige Sepp Blatter geht als Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim Fifa-Kongress am Freitag. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien.

Die Schweizer Justiz eröffnete zudem im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 im März ein Strafverfahren gegen Unbekannt. Die Anwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass es bei der Vergabe an Russland und Katar zu Unregelmäßigkeiten und unrechtmäßigen Bereicherungen gekommen sei, wie die Behörde mitteilte. 

Die Fifa will nach Angaben ihres Sprechers trotz Verhaftungen und Ermittlungsverfahren den für Freitag geplanten Kongress des Fifa-Exekutivkomitees eröffnen, auf dem sich Blatter zur Wiederwahl stellen möchte. Blatter sei nicht Gegenstand der Ermittlungen, insofern bestehe kein Grund für einen Rückzug. Auch die WMs in Katar und Russland fänden statt wie geplant. 

Man kooperiere voll mit den Strafverfolgern und stelle alle angeforderten Informationen zur Verfügung, sagte der Sprecher.