Die Fußballwelt bleibt in schlechter Ordnung. Joseph Blatter, der ewige Sepp, hat wieder eine klare Mehrheit in seinem Gentlemen's Club Fifa. Das lag vermutlich weniger an seiner halb esoterischen, halb wahnsinnigen Predigt, die er in Zürich hielt. Eher daran, dass vom System Blatter sehr viele profitieren.

Kritische Wortbeiträge gab es keine. Blatter gewann allerdings nicht ganz so eindeutig wie gedacht, offenbar hat ihm der jüngste Skandal geschadet. Doch die wahre Gefahr für ihn kommt ohnehin von außen und sie ist unberechenbar. Blatters Schicksal liegt nach den Ereignissen und Schlagzeilen der vergangenen Tage nicht mehr in seinen Händen und denen seiner Fifa-Brüder.

Blatter halten womöglich weder Ochs noch Esel auf. Doch das FBI und das amerikanische Justizministerium sind starke Gegner, sie verstehen keinen Spaß. Sie sagen, die Verhaftungen von sieben Fifa-Funktionären seien bloß die ersten Schritte gewesen. Die Schweizer Ermittler hat auch die Jagdlust gepackt, britische Behörden sind in den Kampf gegen die Gierigen eingestiegen.

Tsunami gegen Blatter

Sie wollen, dass Insider auspacken. Wie bedrohlich das ist, sieht man an Chuck Blazer. Der ehemalige amerikanische Fußballboss war selbst korrupt bis in die Barthaare. Jetzt singt er, wie es im Jargon heißt, um seine Gefängnisstrafe zu mildern. Er war der Auslöser für die Züricher Razzia.

Der jüngst verhaftete Jeffrey Webb, ein Verbündeter Blatters, will sicher auch nicht 20 Jahre hinter Gitter. Jack Warner, die Skandalnudel aus Trinidad und Tobago, hatte bereits vor Jahren einen Tsunami gegen Blatter angekündigt. Dann schwieg er. Am Donnerstag stellte er sich der Polizei. Er soll sich gewundert haben, dass Blatter nicht auf der FBI-Liste steht.

Nicht mehr viele Freunde

Kann sein, dass es bis zu neuen Erkenntnissen Jahre dauern wird. Kann auch sein, dass Blatter nie juristisch zu belangen ist. Aber der Druck auf den Chef der Bande wird weiter wachsen. Außer seinen 133 Wählern, Putin und Roger Köppel bleiben ihm nicht mehr viele Freunde. Irgendwann können auch Sponsoren und TV-Sender nicht mehr über den Sumpf hinwegsehen.

Blatter, 79, wird kaum freiwillig gehen. Seit 1975 in Fifa-Ämtern, sagte er am heutigen Freitag ernsthaft, er sei erst kurz dabei. Doch ob es überhaupt four more years für ihn werden, ist offen. Der investigative Journalist Andrew Jennings, der von der Fifa lange ausgeladen und ausgelacht wurde und der dem FBI die vielen Dokumente gab, lag mit seinen Prognosen stets richtig. Jennings twitterte am Donnerstag: "Da kommt noch mehr. Blatter ist die Zielscheibe."