Im Zuge der Ermittlungen gegen Verantwortliche des Weltfußballverbands Fifa gerät dessen Präsident Sepp Blatter immer stärker unter Druck. Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, forderte seinen Rücktritt. "Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen", sagte er. Er bezog sich auf eine Erklärung Blatters, in der er geschrieben hatte, es sei Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, sagte Dyke.  

Der Schaden für die Fifa sei unter Blatter mittlerweile so groß geworden, dass er nicht wiedergutgemacht werden könne. Der Fifa-Sprecher hatte gesagt, Blatter sei nicht von Ermittlungen betroffen, sein Rücktritt daher kein Thema.

Dyke nahm den europäischen Fußballverband Uefa in die Pflicht, Blatter aus dem Amt zu drängen.

Die Uefa selbst forderte, die für Freitag geplante Präsidentenwahl beim Kongress der Fifa zu verschieben und binnen sechs Monaten eine neue Wahl zu organisieren. Der europäische Verband unterstützt Blatters Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien. Zudem drohte die Uefa, die Tagung in Zürich zu boykottieren. Sie stellt etwa ein Viertel der 209 Fifa-Mitglieder.

Die Schweizer Behörden hatten am Mittwochmorgen zum Doppelschlag gegen Funktionäre des Weltfußballverbands ausgeholt: Sie nahmen auf Antrag der US-Justiz sieben Personen unter dem Verdacht in Auslieferungshaft, sie hätten mehr als 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld angenommen. Die US-Justiz ermittelt gegen 14 Fußballfunktionäre. 

Vier Verdächtige bekennen sich schuldig

Zudem eröffnete die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen Unbekannt im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar. Neben den Fifa-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo gehörten zu den Verhafteten Eduardo Li aus Costa Rica, der Nicaraguaner Julio Rocha, der Brite Costas Takkas, Rafael Esquivel aus Venezuela und der Brasilianer José Maria Marin. Sie widersetzten sich allesamt ihrer Auslieferung in die USA, wie die Schweizer Justiz mitteilte. Die US-Justiz muss demnach ein Auslieferungsersuchen stellen.

Zudem suspendierte der Ethikausschuss des Weltfußballverbandes den früheren Vizepräsidenten Jack Warner sowie Nicolás Leoz, Chuck Blazer und Warners Sohn Daryll von den Fußballaktivitäten. Als Reaktion auf die Ermittlungen sicherte die Fifa Kooperation zu und sperrte insgesamt elf Funktionäre vorläufig für alle Fußballaktivitäten.

Vier der Verdächtigen, darunter auch Ex-Verbandschef Blazer, bekannten sich den Angaben zufolge bereits für schuldig. Ex-Vize Warner hatte sich der Polizei in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt. Gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Trinidad-Dollar (360.000 Euro) kam er frei. Paraguay bestätigte, bereits ein Auslieferungsgesuch der USA für Leoz erhalten zu haben. 

US-Justizministerin Loretta E. Lynch sagte, es handele sich um weit verbreitete, systematische und tief verwurzelte Korruption, sowohl im Ausland als auch in den USA. Sie umfasse mindestens zwei Generationen von Fußballfunktionären, die ihre Vertrauenspositionen mutmaßlich missbraucht hätten. Ihr Ministerium teilte mit, es gehe um Qualifikationsspiele zur WM und die Südamerikameisterschaft Copa América. Die Verbrechen seien in den USA vorbereitet, die Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden. 

Blatter verspricht Aufklärung

Trotz der jüngsten Vorwürfe hatte Präsident Blatter ausgeschlossen, das Jahrestreffen abzusagen. Auch seinen Rücktritt schloss er aus. "Dies ist eine schwierige Zeit für den Fußball", hatte der 79 Jahre alte Schweizer in einer Stellungnahme geschrieben. Sein Verband werde mit den betroffenen Behörden weiterhin zusammenarbeiten. Bisher galt es als sicher, dass Blatter am Freitag wiedergewählt wird.    

Blatters einziger Gegenkandidat, Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien, sagte, die Fifa könne in der Krise nicht so weitermachen wie bisher. Sie brauche eine Führung, die die nationalen Verbände schütze und das Vertrauen von Millionen Fußballfans weltweit wiedergewinne.  

Nike beunruhigt

Auch unter Sponsoren gab es Reaktionen: Nike kündigte an, mit den US-Behörden zu kooperieren. Man sei wegen der "sehr ernsthaften Vorwürfe" beunruhigt. Nike ist kein offizieller Fifa-Sponsor, bezahlt aber dafür, dass die brasilianische und andere Nationalmannschaften ihre Trikots, Hosen und Stutzen tragen.

Unterdessen kritisierte das russische Außenministerium die Festnahmen der hochrangigen Fifa-Manager. Dabei scheine es sich um den illegalen Versuch der USA zu handeln, ihre Gesetze auf andere Staaten anzuwenden, teilte das Ministerium mit. "Einmal mehr rufen wir Washington dazu auf, aufzuhören, sich selbst als Richter außerhalb seiner Grenzen aufzuspielen und sich an allgemein anerkannte internationale Gerichtsverfahren zu halten", hieß es. Erst vergangenen November hatte die Ethikkommission der Fifa Russland und Katar vom Vorwurf der Korruption bei der WM-Vergabe freigesprochen.