Es kommt nicht häufig vor, dass Fußball in den USA die Schlagzeilen beherrscht. Selbst während der WM, als es im Rest der Welt nichts Wichtigeres zu geben schien, schaffte es the beautiful game oft nicht einmal auf die vorderste Sportseite der Zeitungen. Doch in den vergangenen Tagen wird trotz des bevorstehenden Finales der Basketball-Meisterschaft und des Fahrt aufnehmenden Präsidentschaftswahlkampfs auch in Washington und New York über kaum etwas anderes geredet.

Grund dafür ist freilich nicht die Brillanz von Lionel Messi oder ein großes Spiel in der nationalen Liga MLS. Vielmehr erfreut man sich an einem Spektakel, von dem man hierzulande wesentlich mehr versteht – Korruption und Filz. Nicht ohne Genugtuung nimmt man in Nordamerika zur Kenntnis, dass es eine amerikanische Behörde ist, die derzeit jenen Sport ins Wanken bringt, der von vielen Teilen der Bevölkerung noch immer als unamerikanisch empfunden wird. Auf der nationalen Popularitätsskala rangiert das beliebteste Spiel der Welt bestenfalls auf Rang fünf.

Dass es ausgerechnet die US-Justiz ist, welche die notorisch korrupte Fifa in ihren Grundfesten erschüttert, könnte indes gerade an dieser amerikanischen Indifferenz gegenüber dem Spiel liegen. So machte das beliebte Juristenblog Above the Law zwei Gründe dafür aus, dass es ausgerechnet die USA sind, die dem internationalen Fußball-Kartell die Hölle heiß machen: "Zum einen ist uns Fußball komplett gleichgültig. Zum anderen ist das schlicht und einfach die Art und Weise, wie wir seit dem 11. September operieren."

Keine emotionalen Verstrickungen

Der erste Grund ist unmittelbar einleuchtend. Anders als etwa in Europa gibt es zwischen Justiz und den mächtigen Fußball-Organisationen keinerlei politische oder emotionale Verstrickungen. Auf dieser Seite des Atlantiks würde niemals ein Richter Namenslisten mit gedopten Fußballern zurückhalten, um große Clubs zu schützen, wie 2013 in Spanien im Verfahren gegen den Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Der Arzt hatte explizit angeboten, Namen von Real-Madrid-Spielern preiszugeben, die er behandelt hatte. Die Richterin Julia Patricia Santamaría bat ihn, das nicht zu tun, die Fußballwelt atmete auf.

Den zweiten Grund erläutert das Jura-Blog so: "Seit 2001 sind die USA dazu bereit, ihre Muskeln spielen zu lassen, um Bürger anderer Länder auf der ganzen Welt zu verfolgen, wenn sie im Verdacht stehen, den USA zu schaden. Und seit der Finanzkrise von 2008 haben wir diese Logik auch auf Finanzdelikte ausgeweitet."