Das Feuerwerk während der Eröffnungsfeier in Baku © Stoyan Nenov/Reuters

Die Kosten für die Eröffnungsfeier der Europaspiele in Baku waren zweieinhalb Mal so hoch wie für die Zeremonie zum Olympia-Auftakt 2012 in London. Die Feier am Freitagabend habe mindestens rund 100 Millionen Manat (84,8 Millionen Euro) gekostet, sagte Aserbaidschans Sportminister Azad Rahimov. 

"Einige Rechnungen müssen noch bezahlt werden", ergänzte Rahimov. Bei den Sommerspielen vor drei Jahren in London sollen die Kosten für die Eröffnungsfeier 27 Millionen Pfund (damals 34,2 Millionen Euro) betragen haben.

Als Überraschungsgast war US-Popstar Lady Gaga in Baku aufgetreten. Ihre Teilnahme war erst während der zweistündigen Show enthüllt worden. Auf der pompösen Feier hatte die Sängerin vor 68.000 Zuschauern den John-Lennon-Song Imagine vorgetragen. Für den Auftritt in der aserbaidschanischen Hauptstadt musste Lady Gaga auch Kritik einstecken. Der Regierung werden massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Die Europaspiele finden zum ersten Mal statt. 6.000 Sportler kämpfen in 20 Sportarten um Medaillen, in elf können sie Tickets für die Olympischen Sommerspiele 2016 erringen. Kritikern zufolge sollen sich die Gesamtkosten des Events auf bis zu neun Milliarden Euro belaufen. Die Organisatoren verweisen auf drei Budget-Töpfe – Infrastruktur, Bau und Betriebskosten und beziffern letzteren auf 820 Millionen Euro. 

Kritik an der Menschenrechtssituation

Vor Beginn der Veranstaltung hatten Politiker aller Bundestagsfraktionen die Menschenrechtslage in Aserbaidschan kritisiert. Man müsse jede Gelegenheit nutzen, die dortige Regierung auf systematische Verletzungen der Menschenrechte anzusprechen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich. Auch nach Meinung des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu hat sich der autoritäre Kurs des Landes verschärft. Das Land entferne sich immer mehr von den universellen Werten.

Die SPD-Abgeordnete Ute Finckh-Krämer kritisierte, dass die aserbaidschanische Regierung die OECD aufgefordert habe, ihr Büro in Baku zu schließen und ihre Programme zu beenden. Die Bundesregierung solle ein "deutliches Zeichen der Missbilligung" aussprechen und etwa den Botschafter des Landes einbestellen und eine Rücknahme der Forderung verlangen.     

In einem Antrag der Regierungsfraktionen wurde die Bundesregierung aufgefordert, sich "für die sofortige und bedingungslose Freilassung der politischen Gefangenen einzusetzen". Darüber hinaus solle die aserbaidschanische Regierung zu innenpolitischen Reformen gedrängt werden. Die Botschaft Aserbaidschans in Berlin reagierte scharf und schrieb von einer "erheblichen Belastung der bilateralen Zusammenarbeit" mit Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der für Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (beide CDU) hatten bereits in der vergangenen Woche angekündigt, nicht nach Baku zu reisen.

"Hochgradig selektiver Blick auf das Land"

Der Linken-Abgeordnete André Hahn kritisierte, in der Debatte werde mit zweierlei Maß gemessen. Es gebe aus dem Land auch positive Nachrichten. So sei Aserbaidschan eines der wenigen muslimisch geprägten Länder, in denen die drei monotheistischen Religionen friedlich zusammenleben könnten. Dort werde etwa der Bau von Kirchen und Synagogen ermöglicht. Er warf den anderen Fraktionen vor, "hochgradig selektiv auf das Land zu blicken".

Die Regierung von Staatspräsident Ilchham Alijev wird von Menschenrechtsorganisationen für ihr hartes Vorgehen gegen kritische Journalisten, Menschenrechtsverteidiger und Oppositionelle kritisiert. Verbände hatten unter anderem vor Beginn des Events beklagt, dass mehrere Journalisten nicht in den Kaukasus-Staat einreisen dürfen. Auch der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde nach eigenen Angaben die Einreise verweigert.