Fifia-Präsident Sepp Blatter wusste offenbar schon vor seiner Wiederwahl im Jahr 2011 von Bestechungsgeldern, die aus Katar geflossen waren. Das berichtet der britische Sender Sky News unter Berufung auf interne Ermittlungsprotokolle der Fifa. 

Blatter habe gewusst, dass der damalige Präsident des katarischen Fußballverbandes, Mohammed bin Hammam, versucht habe, Stimmen zu kaufen und beim Treffen der Karibischen Fußball-Union Delegierten Briefumschläge mit 40.000 US-Dollar zugesteckt habe. Bin Hamman war seit 2002 Präsident der asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) und wollte bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten gegen Blatter antreten.

Blatter wurde von einer Ethik-Kommission der Fifa im Mai 2011 zu den Zahlungen von bin Hamman befragt. Die Abschrift der bislang geheimen Tonaufnahme zeigt aber, dass den Ermittlern offenbar wenig an Aufklärung gelegen war. Stattdessen gingen sie sehr zahm mit Blatter um.  

"Gibt es es irgendeinen Aspekt in diesem Verfahren heute Nachmittag, mit dem Sie nicht zufrieden sind?" fragte der Vorsitzende Petrus Damaseb – im Hauptberuf Richter am High Court in Namibia, dem zweithöchsten Gericht des südwestafrikanischen Staates – am Ende der Sitzung. "Sie und die Mitglieder des Komitees haben mich fair behandelt", antwortete Blatter. "Genau das wollen wir. Respekt. Disziplin und Fair Play. Vielen, vielen Dank."   

"Das Problem bestand für mich nicht", sagte Blatter zu den Schmiergeldern von bin Hamman und Jack Warner, dem damaligen Chef der nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußballföderation Concacaf, der ebenfalls an den Zahlungen beteiligt war. Denn "das Problem war von anderen verursacht worden."

Sepp Blatter wurde kurz darauf als Fifa-Präsident wiedergewählt. Bin Hammam hingegen wurde gesperrt. Und Jack Warner, der zu den 14 von der amerikanischen Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn Angeklagten gehört und derzeit auf Kaution in Trinidad auf das Auslieferungsverfahren wartet, trat freiwillig von allen Ämtern zurück. Er hat angekündigt, Dokumente zu veröffentlichen, die Blatter weiter belasten sollen.

Derzeit sind insgesamt 14 Offizielle von US-Behörden wegen Korruption angeklagt. Unabhängig davon untersuchen Schweizer Stellen den Bewerbungsprozess für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022, bei dem das Gastgeberrecht an Russland und Katar ging.

Katar und Russland könnte die WM entzogen werden

Das Fifa-Exekutivkomitee hatte im Dezember 2010 in Zürich für Russland und Katar als WM-Austragungsländer gestimmt. Vorwürfe des Stimmenkaufs folgten auf dem Fuße, und das Ethik-Gremium des Verbandes beauftragte den amerikanischen Anwalt Michael Garcia mit der Leitung der Untersuchung. Garcia legte seinen Bericht Ende 2014 vor, trat aber wenig später nach Meinungsverschiedenheiten über den Inhalt des Reports zurück.

Der Bericht wurde nie im vollen Umfang veröffentlicht, aber die Fifa rückte das Dokument an die Schweizer Stellen heraus, die weiter wegen möglicher Korruption ermitteln. 

Gibt es genügend Beweise für Fehlverhalten, hat die Fifa die Befugnis, Russland und Katar die Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 zu entziehen. Die Statuten des Fußball-Weltverbandes, der zurzeit vom schlimmsten Korruptionsskandal seiner 111-jährigen Geschichte erschüttert wird, enthalten eine Regelung, nach der einem Land bei "unvorhergesehenen Fällen und höherer Gewalt" das Gastgeberrecht weggenommen werden kann.