FBI-Kronzeuge Chuck Blazer hat zugegeben, dass er und andere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees Bestechungsgeld bei der Vergabe der Fußball-WM 2010 in Südafrika akzeptiert haben. Auch vor der Vergabe für das WM-Turnier 1998 soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Dies geht aus den Zeugenaussagen des 70-Jährigen aus dem Jahr 2013 hervor, die jetzt von den Behörden veröffentlicht wurden.

"Beginnend in oder um 2004 und dann bis 2011 haben ich und andere im Fifa-Exekutivkomitee der Annahme von Bestechungszahlungen in Verbindung mit der Auswahl Südafrikas als Gastgebernation für die Weltmeisterschaft 2010 zugestimmt", sagte Blazer in der Vernehmung.

Südafrikas Sportminister Fikile Mbalula sagte dem Journalisten Rob Harris: "Die Regierung von Südafrika hat niemanden für die WM 2010 bezahlt."

Auch für die Übertragungsrechte des Gold Cups in den Jahren 1996, 1998, 2000, 2002 und 2003 sei Schmiergeld geflossen, sagte Blazer.

Blazer war langjähriges Mitglied des Exekutivkomitees des Fußballweltverbandes. Nach der Anklage durch die US-Justiz zeigte er sich kooperativ und soll unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London heimlich Funktionärsgespräche aufgenommen haben. Die Veröffentlichung des Protokolls erfolgt nur kurz, nachdem Fifa-Chef Joseph Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat. 

WM-Vergabe an Katar und Russland

Das FBI untersucht offenbar auch die WM-Vergabe an Russland und Katar. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf einen Insider. Die amerikanischen Justiz prüfe demnach, ob bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 Schmiergeld geflossen sei. Eine offizielle Bestätigung gab es noch nicht.

Die Nachforschungen gingen über das bisher bekannte Korruptionsverfahren hinaus, in dem in der vergangenen Woche mehrere hochrangige Fifa-Funktionäre angeklagt worden seien, erfuhr die Nachrichtenagentur aus US-Ermittlerkreisen.

Zuvor hatte bereits die Schweizer Justiz im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. 

Bevor bekannt wurde, dass wohl auch die US-Behörden das Vergabeverfahren untersuchen, hatte ein Kreml-Sprecher gesagt, dass Russland die Vorbereitungen für die WM 2018 vorantreiben werde.

Der Außenminister von Katar erklärte, es sei ausgeschlossen, dass seinem Land die WM wieder entzogen wird. Der Präsident des katarischen Fußballverbands, Scheich Hamad Bin Khalifa Ahmed Al-Thani, sieht die Ermittlungen gelassen. "Lassen wir jetzt mal die Justiz ihre Arbeit machen", sagte er laut Basler Zeitung.

Das Exekutivkomitee der Fifa hatte entschieden, dass die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar ausgetragen werden. Besonders an der Entscheidung für Katar hatte es Kritik gegeben. Das Golfemirat hat kaum Fußballtradition und gilt als klimatisch, zumindest für eine WM im Sommer, ungeeignet.