Wie war das Spiel?  

Lange irgendwo zwischen kurios und peinlich. Die Löw-Elf rannte immer wieder fantasielos, schludrig und rumdaddelnd in die Abwehrreihe oder ins Abseits. Die Pässe waren ungenau. Die Fans mussten sich bis zur Führung fast dreißig Minuten gedulden. Trotz eines frühen Elfmeters; Bastian Schweinsteigers Versuch hatte zu viel Unterschnitt. Was die Ungenauigkeit der Deutschen auch gut belegt: Vor drei der ersten vier Tore hatten die gibraltarischen Abwehrspieler eigentlich schon die Gefahr entschärft, gaben den Ball aber wieder her. So souverän, wie das Ergebnis klingt, war die Leistung der Deutschen nicht.

Der couragierte Außenseiter vom Affenfelsen griff phasenweise überraschend früh an, kam sogar zu einigen Chancen. Gibraltar hätte insgesamt locker zwei oder drei Tore schießen können. Manchmal aber zogen Gibraltars Stürmer aus erstaunlicher Distanz ab. Roman Weidenfeller hätte sich eigentlich pikiert fühlen müssen, die Versuche hätten eigentlich nur Aussicht auf Erfolg haben können, wenn der Tormann im Tiefschlaf ist. 

Wer waren die Spieler des Spiels?  

André Schürrle und Mesut Özil. Weniger wegen der Leistung, eher ob ihrer Hattricks. Schürrle gelangen drei Tore, darunter der Türöffner zur Führung. Da spekulierte er erfolgreich auf den Ballgewinn und nutzte dann aus, dass der Tormann Jordan Pérez, der auch Großes an diesem Abend zeigte, quasi neben dem Tor stand. Özil schuf drei Assists, bereits zum fünften Mal in seiner Karriere. Der schönste war der kurze No-Look-Pass zum 0:6 durch Schürrle, nachdem er von Lukas Podolski mit dem besten Pass des Spiels in Szene gesetzt worden war.  

Was heißt das für die EM-Quali?  

Nach schwerem Start steht Deutschland erstmals auf einem Rang, der zur direkten Qualifikation hinreicht. In der ersten Septemberwoche geht's dann zur Sache. Polen und Schottland, die zwei stärksten Konkurrenten, heißen die Gegner. Da sollten die Deutschen punkten, damit sie nicht beim Spiel in Irland vier Wochen später unter Druck stehen. Langsam wird es also Zeit, wieder in Form zu kommen. Die erste Saison nach dem WM-Titel, die mit dem Sieg gegen Gibraltar endet, war jedenfalls äußerst durchwachsen. Die Ära, die die Mannschaft begründen will, deutet sich noch nicht an. 

Was war sonst noch wichtig?

Zubehör. In der Pause musste das Tornetz mit einem Kabelbinder und einem Feuerzeug befestigt werden. Später, als das Netz mehrfach getestet wurde, das Spiel entschieden war, der Co-Trainer Schneider ein Gähnen unterdrückte, später also holte Joachim Löw die Nagelfeile raus. Die TV-Kameras fingen ihn bei der Maniküre ein und auf Twitter machte sich fassungsloser Hohn breit. Wie kann man nur als Trainer? Wie kann man nur als Mann? Da äußerten sich die Rückständigen, Unverbesserlichen, auch die Ahnungslosen. Abgestorbene Nagelhaut kann wirklich unangenehm sein.