Am Wochenende ging in Portugal die WM im Beachsoccer zu Ende. Ein schönes Turnier mit viel Sonnenschein, Cheerleadern, lauter Musik aus großen Boxen und anderem Tamtam. Ein Strand ist immer hip und deswegen ist auch Strandfußball hip. Auch, weil immer viele Tore fallen, oft per Fallrückzieher oder Volleyschuss, weil Kurzpassspiel auf Sand etwas kompliziert ist.

Portugal wurde Weltmeister, besiegte im Finale die Strandmacht Tahiti. Russland sicherte sich vor Italien den dritten Platz. Der Iran war dabei, die Schweiz, Oman, Paraguay, Senegal, sogar Madagaskar. Deutschland hingegen, der Rasenfußballweltmeister, hatte sich nicht einmal qualifiziert.

Nun ist Deutschland keine typische große Strandnation. 2.389 Kilometer Küstenlänge sind (Mallorca nicht eingerechnet) zwar ordentlich, aber Länder wie Italien (7.600 Kilometer) und Spanien (4.964 Kilometer) sind einfach besser ausgestattet. Allerdings sind es nicht nur große und schöne Strände, die ein Land zur Strandfußballgröße machen. Russland ist immerhin zweifacher Weltmeister und hat zwar viel Küste, die ist aber größtenteils Eisbadern vorbehalten. Oder die Schweiz, sie gehört zu den führenden Beachsoccernationen Europas, obwohl man dort das Meer nur von Postkarten kennt.

Zwei Bundesligen, zwei Nationalmannschaften

Es muss also an etwas anderem liegen. Etwa daran, wie ernst die Nationen Beachsoccer nehmen. Wie engagiert sie ihn betreiben. Wie es um die Strukturen steht. Die deutschen Antworten auf diese Fragen lauten: Na ja. Geht so. Ein wenig durcheinander. Im deutschen Strandfußball spielen zwei Verbände David gegen Goliath. Deshalb ist bei uns in diesem Sport mächtig, nun ja, Sand im Getriebe.

Zum einen ist da der große DFB, der das Thema Beachsoccer lange verschlafen hatte und seit Kurzem, wohl auf sanftem Druck der Fifa, versucht, Verpasstes aufzuholen. Auf der anderen Seite steht der Deutsche Beach Soccer Verband (DBSV), der hierzustrande Pionierarbeit leistete und gar nicht daran denkt, klein beizugeben, nur weil der DFB die Muskeln spielen lässt.

So herrscht momentan in Deutschland eine merkwürdige Doppelstruktur. Es gibt zwei Bundesligen und zwei Nationalmannschaften, die nebeneinander herlaufen, die nichts miteinander zu tun haben. "Wenn man so wenig Spieler hat wie wir in Deutschland und sie auch noch durch zwei teilt, braucht man sich nicht wundern, wenn man nicht zur WM fährt", sagt Sascha Schmidt, der Präsident des DBSV.

2002 begann der DBSV, den Spielbetrieb des Strandfußballs in Deutschland in die Hand zu nehmen. Zu einer Zeit, als man beim DFB beim Thema Strand noch an Kleckerburgen dachte. Mehr als 500 Teams nehmen am jährlich ausgespielten Pokal des DBSV teil. Mittlerweile gibt es auch eine Liga, sie heißt Beach Soccer Bundesliga. Vor allem aber setzt der DBSV auf Breiten- und Nachwuchssport, organisiert zum Beispiel auch Camps für Kinder, um sie an den Sport heranzuführen.

"Nicht vor dem DFB kuschen"

Der DFB hat vor etwa drei Jahren angefangen, sich intensiver um Strandfußball zu kümmern. "Beachsoccer ist Lifestyle, dem kann sich der DFB natürlich nicht verschließen", sagt Bernd Barutta, der die Sportart für den DFB betreut. Seit 2013 spielt der große Verband seine eigene Deutsche Meisterschaft in Warnemünde aus. Er kooperiert mit einem Verein, dem German Beach Soccer Team e.V., der seine eigene Liga betreibt, die German Beach Soccer League. Aus deren Teams wiederum rekrutiert sich die Nationalmannschaft, die bei den offiziellen Fifa-Turnieren starten darf.

Sascha Schmidt vom DBSV sagt, die Teams in der Konkurrenzliga seien alle mal in seinem Verband organisiert gewesen, hätten aber die Seiten gewechselt. Auch er hat mit dem DFB über eine Zusammenarbeit gesprochen. Aber man kam nicht zueinander. Der große DFB wollte den kleinen DBSV gewissermaßen schlucken. Der DBSV sollte unter das Dach des DFB treten, sich integrieren. Mit einem externen Verband, der eigene Rechte hält, wollte der DFB nicht zusammenarbeiten. "Wenn wir in einen Sport investieren, dann tun wir das als DFB, und geben es nicht einem anderen, der es für uns machen soll", sagt Barutta. "Wir müssen das als DFB in unserer Hand behalten."

Der DBSV aber wollte nicht. "Uns wurde vom DFB nahegelegt, zuzumachen", sagt Schmidt. "Weil wir auf längere Zeit keine Chance hätten." Schmidt machte trotzdem weiter. "Ich bin nicht bereit, vor dem DFB zu kuschen", sagt er. Das bedeutet, dass Schmidts Mannschaft nicht an den offiziellen Fifa-Turnieren teilnehmen kann, was ihn aber kaum stört. "Ich weigere mich, zu sagen: Nur, weil es von der Fifa ist, ist es offiziell. Wer sagt das denn?" Und so stellt sein Verband auch ein eigenes Auswahlteam, das Deutschland bei internationalen Nicht-Fifa-Turnieren vertritt.