Wie ging es aus?

Halbfinale der Frauenfußball-WM 2015:

USA – Deutschland 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 Carli Lloyd (69., Foulelfmeter), 2:0 Kelley O‘Hara (84.)

Besondere Vorkommnisse: Sasic verschießt Foulelfmeter (60.)

Zuschauer: 51.176 in Montreal

Wie war das Spiel?

"Früher sind Sie für Ali aufgestanden, heute für Natze". So begrüßte um 1 Uhr der ARD-Kommentator Bernd Schmelzer seine Zuschauer. Und da hatte er mal Recht: Nadine Angerer, genannt Natze, die starke deutsche Torfrau war den Wecker wert, das Spiel insgesamt aber noch viel mehr (Höhepunkte in der ARD-Mediathek). Das erste Halbfinale der Frauenfußball-WM war ein richtig gutes Fußballspiel mit allem, was gute Fußballspiele ausmacht: Viel Spannung, Tempo, Kampf. Mit Übersteigern und Grätschen, Fehlpässen und Fernschüssen. Mit Blut, Schweiß und zwei, drei Tränen. Mit gefährlichen Standards und schönen Spielzügen. Mit einem verschossenen und einem verwandelten Elfmeter. Mit einer Fehlentscheidung und einem Kopfverband einer imposant blutenden Spielerin.

War das Ergebnis gerecht?

Ja. Nur wenige Minuten, kurz nach der Pause, sah es so aus, also ob die Elf von Silvia Neid mithalten könnte. "Spielerisch sind sie nicht so stark wie unsere", hatte die ARD-Expertin Nia Künzer vor Anpfiff erklärt. Zuletzt hatte sich im TV Waldemar Hartmann ähnlich grob verschätzt. Im Viertelfinale gegen Frankreich nahm die DFB-Elf die spielerische Überlegenheit noch hin, die Französinnen galten als Meisterinnen des gepflegten Balls. Von den Amerikanerinnen erwartete man eher spektakulären, aber wenig durchdachten Kreischfußball. Am Ende waren die US-Girls nicht nur wacher, bissiger, enthusiastischer, sondern spielten die Deutschen auch einfach aus. Für die gab es kaum eine echte Torchance. Hope Solo, die charismatische Torfrau (in den USA gilt man als charismatisch, wenn man Schwestern und Neffen angreift und Polizisten bepöbelt) bekam nur einen Ball direkt aufs Tor. Selbst der deutsche Elfmeter rollte am Kasten vorbei. 

Wie fielen die Treffer?

Im Grunde war es ja keine schlechte Idee der Deutschen, das Elfmeterschießen schon in der regulären Spielzeit zu veranstalten. Da hätten die deutschen TV-Zuschauer schon gegen Frankreich eher ins Bett gekonnt. Doch dieses Mal ging etwas schief. Vielleicht ließ sich Celia Šašić, gebürtige Okoyino da Mbabi, bei ihrem Elfer von den Mätzchen von Hope Solo beeindrucken. Vielleicht überlegte sie ein paar Schaltsekunden zu lange.

Keine zehn Minuten später jedenfalls bekam die Amerikanerin Carli "Hapag" Lloyd einen Elfer geschenkt – Alex "Captain" Morgan, reichste Fußballerin der Welt, war zwar in der Tat auf Routinier Annike Krahn aufgelaufen, allerdings vor der Strafraumgrenze, wie der sehr aufgeregte Kommentator Schmelzer auch nicht müde wurde, zu betonen. Lloyd war's herzlich wurscht, sie vollstreckte wuchtig. Nadine Angerer war geschlagen, was Wortspielfreunde zu Höchstleistungen antrieb.

Eine Viertelstunde vor Schluss kam dann Abby Wambach, die Birgit Prinz der USA, die Mutti des erfahrensten WM-Kaders aller Zeiten (2.450 Länderspiele!). Wenig später behauptete sie klug den Ball an der linken Seitenlinie. Als viele die Gefahr schon vorüber sahen, setzte sie noch klüger Lloyd in Szene. Die zog, ebenfalls nicht dumm, in den Strafraum und legte ab auf Kelley "Scarlett" O‘Hara, die aus nächster Nähe gar nicht anders konnte, als zum 2:0 einzuschieben. Damit war die deutsche Elf endgültig durch den Wind.

Welche legendäre Äußerung beschreibt das Spiel perfekt?

"So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere." (Lukas Podolski)