Am 28. Juli wird Joachim Gauck auf der Berliner Waldbühne die Europäischen Makkabi-Spiele eröffnen. Erstmals ist die größte jüdische Sportveranstaltung des Kontinents in Deutschland zu Gast, mit mehr als 2.300 jüdischen Athleten aus 36 Ländern. Viele Teilnehmer stammen von Überlebenden des Holocaust ab, so auch Debora Rosenthal, die Enkelin von Hans Rosenthal, dem einstigen Moderator der Unterhaltungssendung "Dalli Dalli". Die 22 Jahre alte Rosenthal ist in Berlin eine Stütze des deutschen Hockeyteams.

ZEIT ONLINE: Frau Rosenthal, was erhoffen Sie sich von den ersten jüdischen Europameisterschaften in Berlin?

Debora Rosenthal: Die meisten Wettbewerbe werden auf dem Olympia-Gelände stattfinden, wo Hitler Juden 1936 ausgeschlossen hat. Dass an diesem Ort nun ein fröhliches Sportfest für Juden aus ganz Europa stattfindet, ist ein wichtiges Zeichen: Heute ist jüdisches Leben in Deutschland wieder Normalität.

ZEIT ONLINE: Welche Wurzeln hat Makkabi?

Rosenthal: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Juden zunehmend aus ihren Sportvereinen gedrängt, dann gründeten sie ihre eigenen Vereine, vor allem unter dem Namen Makkabi. Doch auch diese Vereine wurden 1938 verboten. Der Name Makkabi erinnert an den Freiheitskämpfer Judas Makkabäus.

ZEIT ONLINE: Judas Makkabäus hat vor mehr als 2.000 Jahren gelebt. Ist die Betonung dieser Tradition noch wichtig?

Rosenthal: Ich verbinde mit Makkabi vor allem die Makkabiade. Das ist die jüdische Olympiade, die alle vier Jahre in Israel stattfindet. Tausende jüdische Sportler aus aller Welt nehmen an diesen Spielen teil. Mit dem Hockeyteam haben wir 2009 und 2013 schon teilgenommen. Die Makkabiade ist der Ort, wo ich das jüdische Gemeinschaftsgefühl so intensiv spüre wie sonst nirgendwo.

Debora Rosenthal © Wilfried Chruscz

ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?

Rosenthal: Ich bin in Berlin aufgewachsen und dort auf eine jüdische Grundschule gegangen, doch streng religiös großgezogen wurde ich nicht. Ich bin dann auf eine staatliche Oberschule gewechselt, dort hat die jüdische Kultur keine Rolle gespielt, ebenso wenig in meinen Hockeyvereinen oder in meinem Freundeskreis. Mir hat sie dort auch nie gefehlt, doch bei der Makkabiade 2009 habe ich zum ersten Mal wieder gemerkt, wie schön es ist, die Verbundenheit zu anderen durch die Religion zu haben. Ich muss aber auch sagen, dass meine Freunde, die nicht jüdisch sind, diese Einstellung ein bisschen verwundert. Sie finden Makkabi zwar interessant. Aber sie fragen auch nach, warum es Weltspiele nur für Juden gibt, aber nicht für Christen oder Muslime.

ZEIT ONLINE: Was antworten Sie darauf?

Rosenthal: Die Makkabiade hat ihre Berechtigung. Zum ersten Mal fand sie 1932 in Tel Aviv statt. Damals durften Juden bei vielen Sportveranstaltungen in ihren Heimatländern nicht teilnehmen. Solche Länder gibt es bis heute. Die Juden konnten aber zur Makkabiade reisen, selbst die deutschen Juden. Daneben wollte man den Juden die Schönheit Israels zeigen und sie davon überzeugen, einzuwandern. Die Christen haben Kirchentage mit vielen Tausend Besuchern. Wir haben die Makkabi-Spiele.

ZEIT ONLINE: Welche Bedeutung hat die Religion bei den Spielen?

Rosenthal: Als ich in der siebten Klasse war, war ich zum ersten Mal in Israel. Ich habe dort keine Angst gehabt, einen Davidstern zu zeigen. Ähnlich habe ich das nur in New York erlebt, wo auch viele Juden leben. In Deutschland habe ich zwar keine Angst, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich Leute mit einem Davidstern provozieren könnte, daher halte ich mich lieber zurück. Jedenfalls ist es toll, dass wir nun durch Sport den Zusammenhalt unserer Religion stärken können.