Michel Platini war richtig böse, als er sah, was faul war in der Welt des Fußballs. Franck Ribéry muss für Frankreich spielen, sonst wird er gesperrt, drohte Platini im vorigen Herbst, nachdem der Bayern-Star seinen Rücktritt aus der französischen Nationalelf mitgeteilt hatte.

Ribéry musste nicht bang werden, den Uefa-Präsidenten Platini durfte man nicht ernst nehmen. Natürlich kann er keinem Spieler vorschreiben, dass der für sein Land spielt. Es war nicht nur eine kindische Forderung, es war auch das einzige Mal, dass Platini als Kritiker auftrat. Dabei gäbe die Fifa, deren Präsident er werden will, derzeit tausendfach Grund zur Rüge. Der marode Weltverband, dessen Vertreter scharenweise im Gefängnis sitzen, musste sich von einem Experten im US-Senat anhören, "schlimmer als die Mafia" zu sein.

Die Fifa braucht Reformen und neue Leute. Und Sie bekommt … Michel Platini. Der ist aber aus dem gleichen Schoß wie sein korrumpierter Vorgänger Blatter. Dasselbe in Grün.

Das sportpolitische Abitur hat Platini am Sepp-Blatter-Gymnasium absolviert – mit Auszeichnung. Er war sein Wahlkampfhelfer, als der 1998 zum Fifa-Boss aufstieg. Und als eine Nacht vor der Wahl Geldkuverts unter Hoteltüren geschoben wurden. Entsprechend vorsichtig verhält sich Platini gegenüber Blatter. Vor dessen Wiederwahl wünschte sich Platini zwar intern dessen Rücktritt. Aber auf dem Fifa-Kongress schwieg er, hing verlegen lächelnd in seinem Stuhl. Er verzichtete, gegen Blatter anzutreten, halb aus Einsicht, halb aus Feigheit.

Wie Blatter, der mithilfe finanzieller Wahlkampfhilfe der Scheichs an die Macht kam, pflegt Platini eine Nähe zu Katar. Die Vergabe der WM 2022 in die Wüste war der endgültige Sündenfall des Fußballs. Der Fifa-Vize Platini ist sogar der Einzige, der sich als Katar-Wähler geoutet hat. Weil er zuvor mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar essen gewesen war, verstieß er eigentlich gegen den Ethik-Code der Fifa. Und Platinis Sohn bekam nach der Katar-Wahl einen feinen Job bei den Kataris.

Die deutsche Fußball-Troika gibt Geleitschutz

Schon Platinis Uefa-Präsidentschaft 2007 begann suspekt. Er betrieb einen Wahlkampf gemäß der Blatter-Schule, versprach den kleinen Ländern aus Osteuropa Zuwendung. Bald gab es Pöstchen, bald wird die EM mit 24 statt 16 Ländern gespielt. Platini hat das Turnier sportlich verwässert. Ab 2019 soll es den Nations Cup geben, einen unattraktiven Wettbewerb, der den Kalender weiter bläht. Im Gegenzug gab es Stimmen von den vielen kleinen Verbänden, die von diesen Änderungen zu profitieren hoffen.

Wie Blatter hält auch Platini nichts von Aufklärung. Transparenz predigt er zwar. Doch als ein Zeuge berichten wollte, dass die EM 2012 verscherbelt worden sei, verweigerte Platini ein Treffen. Und der Kroate Davor Šuker sieht sich dem stichhaltigen Vorwurf des Wettbetrugs ausgesetzt, er fällt zudem dadurch auf, dass er Rassismus und Faschismus verharmlost. Dennoch bleibt er im Uefa-Vorstand von Platini unbehelligt. Für so was interessiert der sich einfach nicht.

Mit dieser Vorgeschichte aus Vetternwirtschaft, Mauschelei, Appeasement und Ignoranz kann man keine Reform einleiten. Vielleicht wäre die Fifa unter Platini nicht mehr ganz so korrupt wie unter Blatter. Doch Hoffnung auf den nötigen Neuanfang weckt er keine. Die Reaktionen auf "Blattini" sind hämisch.

Dennoch dürfte Platini ganz hervorragende Chancen auf den Sieg haben. Der Franzose, auf dem Spielfeld eine Ikone des Offensivfußballs, ist in der Politik ein Hasenfuß. Dass er kandidiert, heißt, dass er sich die Mehrheiten in Europa, Asien und Südamerika wohl schon gesichert hat. Auch die Unterstützung des DFB ist Platini sicher. Wolfgang Niersbach ist sein Verbündeter und will ihm wohl als Uefa-Chef folgen. Die deutsche Fußball-Troika, Adidas, Bayern München und die Bild-Zeitung, gibt bereits Geleitschutz.

Bleibt, wie häufig zurzeit in der globalen Fußballpolitik, noch eine Unbekannte: die amerikanische Justiz.