Deutsche Fußballfans sind Romantiker. Sie lieben Vereine, die eine Geschichte haben, die Gutes tun, die fair spielen. Ob sie Titel holen oder nicht, ist ihnen erst einmal egal. Sie wollen, dass ihre Trainer lange im Verein bleiben, und haben keine Lust, Unsummen für Spieltickets zu zahlen.

Das zumindest legen die Ergebnisse unseres Club-O-Mats nahe, der Fans nach 18 Fragen zeigt, welcher Verein am besten zu ihnen passt (hier zu den Fragen). Bis zum Dienstagmorgen wurde er fast 160.000-mal benutzt. Das Ergebnis: Die beliebtesten Clubs sind Werder Bremen, der FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach. Auf den Plätzen vier und fünf folgen die beiden fanstärksten Vereine Borussia Dortmund und der FC Bayern.

Das Ergebnis überrascht, und auch wieder nicht. Auch bei anderen Untersuchungen ging der SV Werder als sympathischster Verein der Bundesliga als Sieger vom Platz (hier und hier). Hier sogar sehr deutlich. Jeder vierte Club-O-Mat-Durchgang brachte die Bremer als Ergebnis hervor. Ebenfalls immer vorne mit dabei: Borussia Mönchengladbach, ein Traditionsclub, gegen den niemand etwas haben kann, wenn man nicht gerade Kölner ist. Und mit dem FC Augsburg ist auch ein klassischer Underdog ganz vorne dabei, weil er schon seit einigen Jahren aus wenig Mitteln viel macht.


Wenn man etwas genauer hinschaut, erkennt man, dass die drei meistgewählten Vereine ein paar Kriterien teilen: Sie wollen (oder können) nicht um jeden Preis Spiele gewinnen. Sie haben Trainer, die relativ lange im Verein bleiben. Sie bieten relativ günstige Tickets an. Und sie haben (bis auf Augsburg) ihren Stadionnamen nicht verkauft sowie (bis auf Gladbach) kein Maskottchen. Die deutschen Fußballfans mögen keine künstlichen Stadionnamen und keine Maskottchen.

Das wird auch deutlich, wenn man sich das untere Ende der Club-O-Mat-Tabelle anschaut. Dort finden sich Bayer Leverkusen, die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt wieder, die vor seltsamen Maskottchen in der BayArena, der Wirsol Rhein-Neckar-Arena und der Commerzbank-Arena spielen.

Während der geringe Zuspruch für die Kunstclubs aus Leverkusen und Hoffenheim auch darüber hinaus nicht verwundert, sieht die Sache bei der Eintracht schon anders aus. Möglicherweise hat der Fakt, dass die Frankfurter in der Fair-Play-Wertung im unteren Drittel rangieren, einen eher altmodischen Trainer haben und eine Kontermannschaft sind, also selten den Ball haben, ein besseres Ergebnis verhagelt. Sie könnte aber auch einfach am komplett erratischen Club-O-Mat-Algorithmus gescheitert sein.

Interessant ist ein Blick auf die Fragen, die von den Usern am eindeutigsten beantwortet wurden. Folgende Lehren kann man daraus ziehen:

  • Auf keinen Fall sollen Fußballstadien wie ein Werbeprospekt benannt sein (diese Antwort wurde von allen Antwortmöglichkeiten aller Fragen am häufigsten ausgewählt).
  • Die Trikots sollen weder zu nobel wie ein Maßanzug noch zu verschnörkelt wie ein Testbild designt sein (zweithäufigste Antwort aller Antwortmöglichkeiten).
  • Die Fans stehen auf Ballbesitz.
  • Die Fans mögen Fair Play.
  • Ihr Verein soll Gutes tun, Flüchtlingen helfen zum Beispiel.
  • Den Fans ist Tradition wichtig, ein dicker Briefkopf aber nicht.
  • Der Trainer muss kein Visionär sein, sondern sollte nur wissen, was er tut.
  • Erfolge der Vergangenheit sind für viele unwichtig.
  • Frauenfußball eher auch
  • Es brauchen mehr Leute einen Waschbeckenstöpsel in Vereinsfarben, als man denkt.