"Wir wollen in die Bundesliga, und wir wollen es so schnell wie möglich", machte RB Leipzigs Trainer und Manager Ralf Rangnick vor dem Saisonstart der Zweiten Liga klar. Korrekterweise hätte er hinzufügen müssen: "Auch bei den Profis." Die Nachwuchsteams der Leipziger haben es bereits in allen Jahrgängen in die höchsten Spielklassen geschafft, und zählen dort zu den Besten. Die U19 wurde in der vergangenen Saison Staffelsieger der Bundesliga Nord/Nordost, scheiterte erst im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Gleiches gilt für die U17, nachdem sie zum zweiten Mal in Folge die Bundesliga Nord/Nordost gewinnen konnte.

Längst fürchtet nicht mehr nur die lokale Konkurrenz die Leipziger Jugendarbeit. Zunächst waren es vor allem die ostdeutschen Traditionsclubs, die beklagten, dass die "roten Bullen" ihre größten Talente abwerben. "Sie bieten 14-Jährigen schon 1.000 Euro im Monat und lotsen sie nach Leipzig. Wir haben in Cottbus eine Eliteschule des Fußballs und der FC Energie gibt rund 1,3 Millionen im Jahr für Nachwuchsförderung aus. Diese Summe lässt RB für eine einzelne Altersklasse springen, mit Verträgen, die sagenhaft sind", sagte der Präsident von Energie Cottbus vor zwei Jahren.

Auch etablierte Bundesligisten monieren inzwischen die Leipziger Methoden. "Es herrscht eine Guerilla-Situation. Die gehen direkt an die jungen Spieler ran und bieten so viel Geld, dass es schwer ist, nein zu sagen. Wegen der guten Luft geht bestimmt keiner nach Leipzig", beschwerte sich Eintracht Frankfurt. Der Vorwurf: RB bezahle zu viel Geld für zu junge Spieler und schwäche durch das Horten von Talenten gezielt andere Vereine. Ehemalige Jugendspieler sprechen von vierstelligen Monatsgehältern, die der Verein sich so manchen minderjährigen Kicker kosten lasse.

Umfassender, akribischer, intensiver als die Konkurrenz

Doch die Nachwuchsmannschaften von RB sind nicht nur erfolgreich, weil sie Spieler abwerben. Es ist vielmehr die Konsequenz, mit der die Leipziger ihr Profi-System auch auf die Jugendarbeit anwenden: Fußballerische Ausbildung auf höchstem Niveau, Kooperationen mit Sportgymnasien, Trainingslager im Ausland, Fahrdienst, Waschservice – mit den finanziellen Mitteln des österreichischen Brauseherstellers Red Bull bietet RB Leipzig den Jugendspielern ein Vollprogramm. In Kürze eröffnet das neue Trainingszentrum des Vereins im Leipziger Auwald – eines der modernsten in Deutschland. Mehr als 30 Millionen Euro soll das Gelände gekostet haben, der Verein will sich auf Anfrage nicht zu den Kosten äußern. Auf dem Areal sollen sowohl die Profis als auch der Nachwuchs trainieren. Inklusive Internat, Eltern-Café und einem Betreuer-Ehepaar für die jungen Spieler.

Der Anspruch an die Jugendabteilung spiegelt sich auch im Personal wider. Kurz nach seinem Amtsantritt als Sportdirektor in Leipzig lotste Rangnick die Stuttgarter Frieder Schrof und Thomas Albeck zu RB. Zuvor hatten die beiden beim VfB über Jahrzehnte eine der besten Nachwuchsabteilungen der Bundesliga aufgebaut und Spieler wie Sami Khedira und Mario Gomez groß gemacht. Gemeinsam mit Rangnick verfolgen sie nun bei RB die Idee, dass sportlicher Erfolg exakt planbar ist. Was der Club auch macht, stets hat man das Gefühl, es sei umfassender, akribischer und intensiver als bei der Konkurrenz.

Bettruhe um 20 Uhr

"Das ist das Beste, was es in Deutschland zurzeit gibt", sagt auch Friedrich Wolf über die Nachwuchsabteilung. Der 21-Jährige wechselte zu RB, als er 15 Jahre alt war, seine U17 stieg als erste Mannschaft des Vereins in die Bundesliga auf. Wolf war auf dem Sprung in den Profikader – und erhielt dann im Sommer 2014 keinen Vertrag mehr. Die Zeit bei RB wolle er dennoch nicht missen – bis auf die Einschränkungen. Denn im Gegenzug für die erstklassige Ausbildung verlangt der Verein von den Jugendlichen höchste Disziplin: "Du darfst keinen Alkohol trinken als 18-Jähriger. Wenn trainingsfreie Zeit war, mussten wir auch als Volljährige um 22 Uhr zu Hause sein, und wenn Training war um 20 Uhr. Das hieß nicht nur zu Hause, sondern Bettruhe", sagt Wolf.

"Da ist kein Punkt, der nicht durchgeplant ist", sagt auch Franz Hampel. Der 18-Jährige war drei Jahre lang Jugendspieler bei RB Leipzig. Im Sommer 2014 zog es Franz zurück in die sächsische Provinz, wo er eine Ausbildung begonnen hat. Zu unsicher erschien ihm der Weg bis ganz nach oben. Einerseits schwärmt er über die Zeit bei RB immer noch: "Für die Spieler machen sie in der Ausbildung mit den finanziellen Mitteln unglaublich viel. Neuestes Trainingsequipment, Trainer auf Top-Niveau." Andererseits weiß auch er, wie hoch die Anforderungen sind, die der Verein an die Spieler stellt. Selbst für den Urlaub gebe der Verein Fitnesspläne aus, die strikt eingehalten werden müssten – inklusive Strafen für Gewichtszunahme. "Ein Kilo darfst du zunehmen. Pro 100 Gramm mehr kostet es dich fünf Euro. Das musst du schon mögen."