Uefa-Chef Platini und Fifa-Chef Sepp Blatter ©Ruben Sprich/Reuters

Einen Jubiliar stört man ungern, aber man muss Karl-Heinz Rummenigge auch am Tag nach seinem 60. Geburtstag fragen, ob er an Michel Platini festhält, wie er es diese Woche erneut unterstrichen hat. Franz Beckenbauer plant zurzeit sein jährliches Fest für den globalen Sportadel, dennoch hätte man gern ein Statement des ehemaligen Fifa-Mitglieds über die neuesten Entwicklungen in Zürich. Immerhin, Wolfgang Niersbach sagt, er sei "fassungslos", doch das wird nicht genügen.

Zwar ist juristisch nicht bewiesen, dass Sepp Blatter illegale Zahlungen geleistet und Platini sie empfangen hat. Doch es gibt einen begründeten Anfangsverdacht. Gegen Blatter ist ein Strafverfahren eingeleitet. Sein Büro wurde durchsucht, offenbar auch seine Privatwohnung, Unterlagen wurden beschlagnahmt. Und Platini, der Vorwürfe bestreitet, wird vernommen. Die zwei wichtigsten Bosse des Fußballs haben den Staatsanwalt an der Backe. Das ist ungeheuerlich.

Auch wenn in nächster Zeit noch ganz viel mehr über die Machenschaften der Fifa rauskommen dürfte, sollte dies der allerletzte Anstoß für den deutschen Fußball sein, auf Distanz zur Fifa und Uefa zu gehen. Der DFB sollte Blatter auffordern, sofort zurückzutreten. Von Platini, den er als kommenden Fifa-Präsidenten unterstützt, abrücken. Sonst überträgt sich der Gestank.

Kein Sportverband, sondern eine kriminelle Bande

Es müffelt schon in Deutschland, es ist ja alles bekannt. Niersbachs Fassungslosigkeit kann nur gespielt sein. Die Nachricht aus der Schweiz ist ein Skandal, will Niersbach sagen. Doch man weiß doch längst, dass die Fifa kein Sportverband ist, sondern eine Bande der organisierten Kriminalität, die man am besten auflöst. Und die Uefa ist nicht viel besser. Ist es also wirklich ein Skandal? Wäre es ein Skandal, wenn die Mafia schießt?

Man braucht keinen Richterspruch, um zu wissen, dass Blatter der Verantwortliche ist für die monumentale Korruption in der Fifa. Dass er an Gaunern festhält, weil die wissen, in welchen Kellern die Leichen liegen. Dass dieser Trickser Reformen nur simuliert und Ermittlungen behindert. Obwohl er wieder mal Besserung gelobte, nachdem im Mai sieben Fußballfürsten hinter Bettdecken abgeführt und eingebuchtet worden waren.

Und Platini ist sein Ziehsohn. Wenn die Fifa weiterexistieren soll, dann nicht mit ihm an der Spitze. Mit ihm kann es keinen glaubwürdigen Neuanfang geben, auch wenn er aus der Sache rauskommt. Er war Teil des Blatter-Systems. Mindestens das hat die millionenschwere Zahlung, die die Schweizer Bundesanwaltschaft nun prüft, nochmals allen vor Augen geführt.