Ab nächster Woche wird der Terminplan für deutsche Sportverrückte noch enger. Champions League und Europa League gehen wieder los, dann gibt es fast jeden Tag Fußball im Fernsehen. Und jetzt drängt noch ein anderer Sport auf den deutschen TV-Markt.

Wenn in dieser Nacht von Donnerstag auf Freitag die neue Saison der National Football League (NFL) beginnt, legt auch ProSiebenSat.1 los. Erstmals überträgt ein deutscher Free-TV-Sender schon in der Hauptsaison regelmäßig Football-Spiele. Sat.1 präsentiert das Auftaktspiel, danach wird der Spartensender ProSieben Maxx jeden Sonntag um 19 und 22 Uhr je ein Spiel zeigen. Die Hoffnungen beim Münchner Medienkonzern sind groß. Der Verantwortliche Alexander Rösner sagt: "Das ist eine große Chance für diese Sportart, wir wollen sie nutzen."

In den USA verehrt, in England groß angekommen, auch in Deutschland wird American Football immer beliebter. Das Finale, der Super Bowl, ist die größte Sportmarke der Welt. Doch ist diese Sportart für den deutschen Markt überhaupt geeignet, kommt sie bei den deutschen Sportfans an?

Es dauert, bis man das Spiel versteht

Die Fernsehleute beantworteten die Frage mit einem Ja und sicherten sich die Rechte, Kosten unbekannt. Und die Indizien sprechen zunächst für den Sender. In Deutschland gründen sich neue Fanclubs wie German Seahawkers, die fast täglich neue Mitglieder begrüßen. Bei den beiden vorigen Super Bowls erzielte Sat.1 einen Marktanteil von vierzig Prozent in der werberelevanten Zielgruppe. Passenderweise gewann Offensivspieler Sebastian Vollmer als erster Deutscher den NFL-Titel. Alexander Rösner bezeichnet dies als "zusätzliches Geschenk".

Hört man sich in der Football-Community um, vernimmt man aber auch starke Zweifel. Das Spiel sei zu kompliziert für deutsche Fans, laufe zu spät im Fernsehen und dauere zu lange. Manche vermuten, dass auch die Härte im Spiel einige Zuschauer abschrecken könnte.

Der Südtiroler Thomas Psaier ist ein Experte für Football im deutschsprachigen Raum. Er bloggt als Sideline-Reporter, seine Website gilt als eine der wichtigsten Quellen für Fans in Deutschland. Obwohl sich Psaier über die neue Football-Präsenz im Free-TV freut und hofft, dass die Übertragungen dabei helfen, den Sport bekannter zu machen, ist er skeptisch, ob Football die deutsche Masse begeistern kann. Er sagt: "Für die meisten Interessierten wird der Sport zunächst schwer greifbar sein. Es dauert, bis man das Spiel richtig versteht."