Für Charles Friedek ist das heutige BGH-Urteil eine Genugtuung nach mehr als sieben Jahren Kampf. Der DOSB hatte ihm die Olympia-Teilnahme von Peking verboten, zu Unrecht. Im Juni 2008 war Friedek bei einem Wettkampf zwei Mal 17 Meter oder weiter gesprungen. Diese sogenannte Normweite hätte er bei zwei unterschiedlichen Wettkämpfen erbringen müssen, verlangten die Verbände anschließend. Doch die Regeln waren zweideutig formuliert, das hätte der DOSB nicht zu Friedeks Lasten auslegen dürfen. Ihm steht nun ein Schadensersatz zu, dessen Höhe noch ermittelt wird. Doch Karlsruhe ist nicht die gleiche Bühne wie Olympia, dieses Erlebnis und die Chance auf eine Medaille hat der Dreisprung-Weltmeister Friedek für immer versäumt.

Daran trägt der DOSB Schuld. Eine Organisation, die eigentlich die Athleten unterstützen soll. Sport ist schließlich deren Beruf. Sie fühlen sich aber zunehmend schlechter vertreten, man denke an Claudia Pechstein, den anderen prominenten Rechtsfall. Und sie bekommen zunehmend Recht. Weil der Sport und seine Gerichte schlechte Regeln machen und fragliche Urteile sprechen. Der Staat hat das erkannt und ihm seine Autonomie längst abgesprochen.

Friedek ist nicht nur eine weitere juristische Niederlage für den DOSB, sondern auch ein Signal an den Sport und seine Funktionäre. Die sollten ihre Rolle überdenken, endlich modern werden, Athleten als gleichberechtigte Partner verstehen und nicht mehr als Weisungsempfänger. Karlsruhe hat auch einen Rat an alle mündigen Athleten, die sich wie Friedek von ihren Sportführern emanzipieren wollen: Traut Euch!


Beiträge aus der Rechtswissenschaft: