Ein guter Zweck, wenn man das so nennen will, der am Ende auch Dortmund nützt. Das Museum kostet 41 Millionen Euro, 36 davon für den Bau, 5 für den Vorplatz und das Drumherum. 18,5 Millionen kamen vom Land Nordrhein-Westfalen, je 5 Millionen von den WM-Sponsoren Adidas und Mercedes Benz, noch mal 5 Millionen aus einem EU-Topf "und der Rest kam aus dem wirtschaftlichen Gewinn der WM 2006", rechnet der Museumschef Neukirchner vor. Für die Stadt ein Sechser im Lotto: 280 Arbeitsplätze rund um den Bau, viel Image und null Kosten. Zumindest solange genug Besucher kommen. 260.000 brauchen sie im Jahr, das wären 900 am Tag, um kostendeckend zu bleiben. Falls nicht, müssen DFB und die Stadt Dortmund als gleichberechtigte Gesellschafter aufkommen. Wird aber nicht passieren, glaubt Neukirchner, "Fußball interessiert jeden."

Zumindest jeden, der am ersten Tag da ist. 1.600 Exponate auf 3.300 Quadratmetern, vom Weltmeisterschuh 1954 bis zur Franz-Beckenbauer-Actionfigur. 19 Beamer, 25 Stunden Filmmaterial, interaktive Quizautomaten, nachgebaute Kommentatoren-Kabinen, die Trainerbank von Jogi Löw, ein 3D-Kino, Beschallung von überall. Der ganze Wahnsinn für die Wahnsinnigen. "Fan" kommt schließlich von fanatisch. "Fußballfans sind ja verrückt", sagt ein 75-Jähriger aus Magdeburg, der sich an frühere Spontantrips nach Mailand erinnert. Auch viel Historisches ist hier zu sehen, Anknüpfungspunkte für Ältere, Geschichtsstunde für Jüngere.

Original-Wortwechsel zum Bundesliga-Skandal 1971

Museumschef Neukirchner betont: "Wir sind keine Fun-Bude, die hier nur die schönen Seiten des Fußballs als Erlebniswelt zeigen will." Fußball sei Transporteur der Geschichte weit übers Spielfeld hinaus: NS-Zeit, Nachkriegszeit, DDR, Frauenfußball, "Wir leuchten alle Fakten aus." Bei manchen Fakten tappt man allerdings buchstäblich im Dunkeln: Es gibt ein Telefon in einer Vitrine, an dem man sich die Original-Wortwechsel zum Bundesliga-Skandal 1971 anhören kann. Die Wand der Vitrinen ist allerdings dunkel, man muss einen Knopf drücken, dann folgt Erleuchtung und Ton.

Ansonsten überstrahlen die Weltmeisterschaften das Museum. Die Nationalhymne am Eingang, das Wunder von Bern, die Helden von Rom 1990, die Welt zu Gast bei Freunden. Wir sind Fußball. Das kollektive Schwelgen in schönen Erinnerungen gipfelt in einem Film zur WM 2014, der wie ein Mantra alle zehn Minuten auf Etage zwei läuft. Das Licht erlischt, Bilder vom schwarz-rot-geilen Sommer laufen auf einem überdimensionalen Fernsehball und man hört Joachim Löw prophezeien: "Durchhalten auf hohem Niveau ischt sehr schwierig, weil die Luft oben dünner wird."