Auf der Homepage des DFB finden sich gute Ratschläge, etwa über Buchführung. "Das Ordnen von Belegen, Rechnungen und Quittungen ist zwar mühsam", heißt es dort. Aber, so geht es weiter, was sein muss, muss sein. "Keine Buchung ohne Beleg!" Was den Vertretern der Amateurvereine, an die sich der Hinweis richtet, bei der Lektüre durch den Kopf geht, kann man sich denken. Der gut gemeinte Rat stammt nämlich von einem Verband, der einen Zahlungsnachweis von immerhin 6,7 Millionen Euro nicht mehr findet. In jedem Dorfverein sucht man nach 2,50 Euro, wenn sie im Jahresabschluss fehlen.

Über den DFB lässt sich zurzeit leicht spotten. Und über wen gespottet wird, hat den Schaden. Der ist groß beim DFB, der weltgrößte Fußballverband gibt in der Affäre um das Sommermärchen ein fatales Bild ab. Der DFB hat sich offenbar am hochkorrupten System Fifa beteiligt. Die Süddeutsche Zeitung erhärtet den Verdacht, dass das Geld des DFB in eine schwarze Kasse der Fifa floss. Der unehrliche Umgang mit den vielen Fragen verschärft die Krise des DFB. Der Präsident Wolfgang Niersbach taktiert und schweigt. Ehemalige Verbündete wie Theo Zwanziger und Günter Netzer sehen sich bald vor Gericht. Anwälte verdienen sich mannschaftsweise dumm und dümmer am deutschen Fußball.

Dieser Verlust an Glaubwürdigkeit schadet dem DFB in vielerlei Hinsicht. Er ist mehr als nur ein großer Sportverein. Der DFB ist eine Art Unternehmer, ein wichtiger und prominenter Akteur in unserer Gesellschaft, Richter und Gesetzgeber des deutschen Fußballs sowie ein Empfänger von staatlichen Leistungen.

Subventionen fürs DFB-Museum

Der DFB will die Fußball-EM 2024 austragen. Bislang galt er als großer Favorit, doch aus einem Selbstläufer könnte nun ein Problem werden. Die Öffentlichkeit stellt bei diesem Thema nun Fragen, etwa die Politik. Sportverbände wie die Uefa verlangen von Gastgeberländern für große Turniere Steuerbefreiungen. Darauf verweist Dagmar Freitag (SPD). "Im Moment schauen wir natürlich, was den Fußball angeht, schon besonders genau hin", sagt die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag.

"Niersbach und Beckenbauer sind dringend aufgefordert, reinen Tisch zu machen", sagt der Grünen-Politiker Özcan Mutlu, ebenfalls Mitglied in diesem Gremium. Wenn Niersbach, sollte er im Amt bleiben, bald um politische Unterstützung für die EM wirbt, wird man sich im Sportausschuss daran erinnern, dass er dessen Einladung zur Anhörung gerade ausgeschlagen hat.

Was sich viele Politiker nun auch in Erinnerung rufen könnten: Der DFB profitiert von Subventionen, etwa beim Sportstättenbau. Der deutsche Fußball verursacht an jedem Wochenende hohe Polizeikosten, wogegen sich bislang nur das Land Bremen wehrt. Die Betreiber der Frankfurter Pferderennbahn, die der DFB-Akademie weichen soll, wollen sich juristisch wehren.

WM 2006 - Korruptionsaffäre überschattet Museumseröffnung Jogi Löw und Oliver Bierhoff äußerten sich bei der Eröffnung des Fußball-Museums in Dortmund zu den Vorwürfen gegen DFB-Präsidenten Niersbach. Franz Beckenbauer erschien nicht.

Und ein Projekt wie das DFB-Museum in Dortmund würde der Verband heute wohl nicht mehr so großzügig finanziert bekommen. Das Grundstück bekam der DFB geschenkt. Es ist jetzt schon absehbar, dass die Stadt Dortmund das Museum dauerhaft bezuschussen muss. 270.000 Besucher pro Jahr sind optimistisch kalkuliert, gerade wenn man 17 Euro Eintritt verlangt.