Anfang September kam der Moment, auf den Yorman Polas so lange gewartet hatte. Im Gießener Rathaus erhielt der Profibasketballer aus Kuba seine Einbürgerungsurkunde. Endlich Deutscher.

Der deutsche Pass war der zweite große Erfolg für Polas in diesem Sommer. Im Juni feierte er mit den Gießen 46ers den Aufstieg in die Bundesliga. Wenn nun Gießen am Sonntag, am 1. Spieltag der neuen Saison, auf die MHP Riesen aus Ludwigsburg trifft, wird es Polas' erster Auftritt in Deutschlands höchster Spielklasse. Drei Jahre lang hatte er es vergeblich versucht. Das hat mit seinem Pass zu tun, denn bislang war er vor allem an der falschen Staatsbürgerschaft gescheitert. Dazu später.

Mit Zuversicht blickt Polas auf die neue Spielzeit. "Jetzt kann ich auch in der Ersten Liga meine Qualität zeigen", sagt er. Dass er in Deutschland sportlich Fuß fassen konnte, hat er auch Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer zu verdanken. Die beiden Fußballer trafen sich 2012 in der Münchner Nobel-Bar Schumann's. Damals arbeitete Polas' Frau Amelie dort als Kellnerin und fragte sie, ob sie ihrem Mann ein Probetraining bei den Basketballern von Bayern München vermitteln können. Sie konnten. Am nächsten Tag stand Polas auf dem Parkett.

Ein Riese mit Goldkette

Für das Spitzenteam der Bayern reichte es nicht. Für die zweite Mannschaft war er aber zu stark. Nach einem Abstecher zu den viertklassigen München Baskets ging er 2013 zu den Crailsheim Merlins in die Zweite Liga. Mit ihnen schaffte Polas den Aufstieg, wurde sogar zum besten Spieler der Saison gewählt. Doch wohl fühlte er sich in der Provinz nicht. Er zog weiter nach Gießen und blieb in der Zweiten Liga.

In Gießen beschloss er, sich um einen deutschen Pass zu bemühen. Er lernte Deutsch und pendelte täglich zwischen Trainingshalle, Sprachschule und der Wohnung, die er mit seiner Frau bezogen hatte. Kennengelernt hatten sie sich 2009 auf Gran Canaria. Sie arbeitete in einem Hotel, er war mit Kubas Nationalmannschaft auf der Ferieninsel. Sie blieben in Kontakt. Später besuchte sie ihn auf Kuba. Erst nach der Hochzeit vor zwei Jahren konnten beide gemeinsam nach Deutschland kommen.

Morgens stand die erste Übungseinheit auf dem Plan. Gefolgt vom Sprint unter die Dusche, um pünktlich beim Sprachkurs zu sein. Dort war der 1,92 Meter-Mann mit dem roten Trainingsanzug, der Goldkette und den funkelnden Ohrringen meist der Letzte im Klassenraum. Dann ein kurzer Snack und es ging zur zweiten Trainingseinheit. Anschließend: Sprachkurs, kurzer Abstecher nach Hause zu seiner schwangeren Frau, dritte Trainingseinheit.