Franz Beckenbauer hat die neue Spitze des Deutschen Fußball-Bundes angegriffen: Den Interimspräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch warf er vor, ihm das persönliche Gespräch über WM-Vergabe verweigert zu haben. "Was ist denn das für ein Niveau", zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.

Beckenbauer war Mitglied des damaligen WM-Organisationskomitees. Derzeit wird untersucht, ob die Vergabe der WM an Deutschland durch Korruption zustande gekommen ist. Rauball und Koch hatten Beckenbauer gerügt, weil der im Zuge der WM-Vergabe einen Vertragsentwurf mit Ex-Fifa-Vizepräsident Jack Warner unterschrieben hatte. Rauball hatte das Dokument als "möglichen Bestechungsversuch" gewertet. Koch hatte Beckenbauer öffentlich aufgefordert, sich intensiver in die Aufklärung der Vorgänge einzubringen.

Der SZ sagte Beckenbauer nun, er habe Rauball und Koch einen der Öffentlichkeit bisher unbekannten "persönlich-strikt vertraulichen" Brief geschrieben. Darin schreibe er: "Mir war immer wichtig, miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Deshalb biete ich Euch ein persönliches Gespräch an, zu dem ich jederzeit kurzfristig nach Frankfurt oder wohin auch immer reisen kann." Er werde, so fuhr Beckenbauer in dem Schreiben fort, "Euch bei diesem Gespräch nach bestem Wissen und Gewissen Rede und Antwort stehen". Dieses Gespräch hätte "möglichst bald und unabhängig von einer weiteren Unterredung mit der Kanzlei Freshfields stattfinden" sollen.

Auf dieses Angebot hätten die DFB-Chefs nicht reagiert, ärgert sich Beckenbauer: "Wenn man sich so lange kennt, und dann kommt keine Reaktion und du bekommst alles nur im Fernsehen mitgeteilt: Ja, wo samma denn? Was ist das denn für ein Niveau?"

Die Kanzlei Freshfields ist beauftragt, die Vorgänge um die WM-Vergabe aufzuklären. Gegenüber Vertretern der Kanzlei hatte Beckenbauer bereits als Zeuge ausgesagt, bevor er den persönlichen Brief schrieb. Koch und Rauball hoffen, dass der Abschlussbericht bis Weihnachten, spätestens Anfang Januar, vorliegt.