Der FC St. Pauli hat seinen Änderungsantrag zur Verteilung der TV-Gelder noch vor der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga zurückgezogen. Dies wurde nach dem Treffen der 36 Profivereine in Frankfurt am Main bekannt.

Liga-Präsident Reinhard Rauball sagte: "Die Sitzung ist anders gelaufen, als es das öffentliche Interesse erwartet hat." Der Antrag der Hamburger habe zwar für öffentliche Diskussionen gesorgt, sei dann aber kein Thema gewesen. Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli sagte nach der Sitzung: "Es war nicht der richtige Zeitpunkt für diesen Antrag."

Die künftige Verteilung der TV-Gelder war zentrales Thema in Frankfurt am Main, 2017 wird ein neuer Fernsehvertrag in Kraft treten. Die neuen Verträge sollen Anfang 2016 ausgeschrieben, im Mai unterschrieben werden und ab der Saison 2017/18 in Kraft treten. Bisher werden die Einnahmen aus der TV-Vermarktung zentral verteilt.

Der FC St. Pauli wollte Clubs, die sich mehrheitlich im Besitz von Konzernen oder Mäzenen befinden, von den Erlösen aus der Zentralvermarktung ausgrenzen. Dies hätte nach dem jetzigen Stand den VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim betroffen. 

Rettig erklärte, er sei "extrem verwundert" darüber, wie dieses Ansinnen in der Öffentlichkeit angekommen sei. "Es entstand der Eindruck, die Zentralvermarktung steht auf dem Prüfstand und die Solidarität infrage", sagte Rettig. "Unsere Intention war nie, dass die 2. Liga einen Verteilungskampf einläutet."

Vor der Sitzung gab es auch einen zweiten Vorstoß, der die Solidarität unter den Clubs erschütterte: Der FC Bayern München forderte mehr Geld für die großen Clubs, um wirtschaftlich nicht den Anschluss an die englische Liga zu verlieren. Würde die zentrale Vermarktung künftig wegfallen, würde der Rekordmeister am meisten profitieren, da kaum ein anderer deutscher Verein seine Übertragungsrechte in Eigenregie teurer verkaufen könnte.

Rauball betonte aber nach dem Treffen, man habe noch keinen neuen TV-Vertrag, auch wolle die Führung der DFL nicht von der Zentralvermarktung der Medienrechte abrücken. "Wir haben unsere Einschätzung mitgeteilt, dass die Liga bei dem Thema ein einheitliches Bild abgeben soll. Unsere Partner erwarten Sicherheit und Verlässlichkeit", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifer. Er ermahnte alle Beteiligten, die Diskussion über einen Verteilerschlüssel erst zu führen, "wenn bekannt ist, wie hoch die nationalen und internationalen Erlöse des neuen TV-Vertrages sind".

Auch der designierte DFB-Präsident Grindel war bei dem Treffen und informierte über die Affäre um die Fußball-WM 2006. Er rechne frühestens im Februar mit dem Untersuchungsbericht. Damit wird sich auch seine erwartete Wahl zum Nachfolger des zurückgetretenen Wolfgang Niersbach verzögern. Die DFB-Interimspräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch hatten zuletzt immer von Dezember oder Januar als Termin für die Vorlage des Untersuchungsberichts gesprochen.