Pep Guardiola steht vor einem Wechsel zu Manchester City. © Antonio Bronic/Reuters

Ein Grund, warum Pep Guardiola in München nach der Saison aufhören wird: Er arbeitet sehr viel. Das klingt banal, aber seine Rund-um-die-Uhr-Mentalität ist außergewöhnlich, auf Dauer verbraucht sie selbst einen Fußball-Workaholic wie ihn. Ständig analysiert er den Gegner und das eigene Spiel. Immer wieder entwickelt er Ideen, hält seine Mannschaft auf Trab.

Wer das für selbstverständlich hält, dem sei gesagt: Um einen Profifußballer ein bisschen besser zu machen, muss man mit Geduld, Kompetenz und Hingabe ständig an Details feilen. Oft auch gegen Widerstände, denn nicht jeder Weltstar sieht sofort ein, dass sein erster Ballkontakt nur gut ist und nicht sehr gut.

Hinzu kommt, dass Guardiola ein neuer Trainertyp ist. Ein Unternehmensberater, der sein Projekt managt, beendet und dann den Ort wechselt. Höflich, ein bisschen McKinsey-hafte Kälte, zwischendurch ein Sabbatical in New York. Selbst seine Heimat Barcelona verließ Guardiola nach vier Jahren als Cheftrainer. So jemandem bringt man Respekt entgegen, aber keine Liebe, selbst wenn er ab und an die Lederhose anzieht. Stemmte er einen Maßkrug, wird sich mancher Bayernfan gedacht haben: ist bestimmt alkoholfrei.

Die Deutschen fremdelten

Guardiola liebt das Siegen, einen Verein liebt er nicht. Einer wie er geht nach drei Jahren Verschleiß. Sein Abschied hat etwas Zwangsläufiges, da konnten sich Vorstand und Spieler noch so wortreich bemühen. Aber es gibt vielleicht auch einen anderen Grund, der mitentscheidend gewesen sein könnte. So wie viele Deutsche mit seiner Fußballidee fremdeln, darf er sich auch vom FC Bayern unverstanden fühlen. 

Um das zu verstehen, muss man sich Guardiolas Fußball genauer ansehen, der ein feines, ja, undeutsches, weil unphysisches Element in sich trägt: Radikal wie kein Trainer vor ihm lässt er Fußball spielen, und zwar von der ganzen Elf. Der Ball gehört uns – das ist ihr Leitbild. Er wird nach vorne kombiniert und im tornahen Zentrum, der Zone vor dem Strafraum, lassen ihn seine Spieler, Handballern ähnlich, im abgestimmten Verbund kreisen. Bis eine kleine Lücke entsteht. Dann geht es im Tempo mit Pässen, Läufen oder Dribblings auf die Abwehr.

Sein Stil brachte ihm bisweilen den Vorwurf ein, er betreibe brotloses Ballgeschiebe. Zwar hört man ihn inzwischen selten. Ganz abschütteln konnte er ihn nie. Obwohl er zwei Mal mit großem Vorsprung Meister wurde und ein drittes Mal bevorsteht. Obwohl Toni Kroos und Jérôme Boateng unter ihm zur Weltklasse reiften und wohl auch dank ihm Weltmeister wurden. Obwohl noch nie eine deutsche Mannschaft so kombinierte, so spielte wie seine Bayern. Vor allem in seinem ersten Jahr zeigten sie Qualitätsfußball modernster und offensivster Art, etwa in den Auswärtsspielen gegen Manchester City, Arsenal und Real Madrid.

Bloß, Madrid ging 0:1 verloren. Es liegt zwar fast zwei Jahre her, aber die Ereignisse um dieses Spiel sagen bis heute einiges über das Verhältnis des Vereins zu Guardiola. Madrid verteidigte im eigenen Stadion, wurde von den Bayern dazu gezwungen, im ehrwürdigen Bernabeu wie Unterhaching zu spielen. Die Bayern schossen doppelt so oft aufs Tor. Es war eine überragende Leistung, doch nach dem Spiel sagte Franz Beckenbauer, TV-Experte und Ehrenpräsident des Clubs: "Die Bayern haben so gespielt, wie man es kennt: mit viel Ballbesitz, aber ohne Zug zum Tor."