Die deutsche Tennisspielerin Angelique Kerber hat das Grand-Slam-Turnier Australian Open gewonnen. Sie besiegte die Weltranglistenerste Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4.

"An diesem Abend ist mein Traum wahr geworden. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, und jetzt stehe ich hier und bin ein Grand-Slam-Champion", sagte die 28-jährige Kielerin. "Das hört sich verrückt an." Williams zeigte sich als faire Verliererin. "Angie, du hast es so sehr verdient. Ich hoffe, du genießt den Moment."

Die Deutsche galt gegen die Titelverteidigerin aus den USA als klare Außenseiterin. Es war Kerbers erstes Finale in einem Grand-Slam-Turnier. 2012 hatte sie das Halbfinale in Wimbledon erreicht, 2011 das Halbfinale bei den US Open.

Kerber ist die erste deutsche Siegerin der Australian Open seit 22 Jahren. 1994 hatte Steffi Graf dort im Finale Arantxa Sánchez Vicario bezwungen. Anke Huber war die letzte deutsche Finalteilnehmerin des Grand-Slam-Turniers in Melbourne, sie unterlag 1996 Monika Seles.

Wie entfesselt

Kerber spielte überragend und wie entfesselt, nach 2:08 Stunden verwandelte sie ihren ersten Matchball. Von Beginn an agierte sie so, als habe sie in ihrem Leben noch nie etwas anderes gemacht, als ein Grand-Slam-Finale zu bestreiten. Zwar machte sie beim ersten Aufschlagspiel der Amerikanerin keinen Punkt, doch dann brachte sie ihr Aufschlagspiel ebenfalls durch. Kerber spielte weiter mutig drauf los und nahm der großen Favoritin das Service zum 2:1 ab. Ein Raunen ging durch das Stadion. Sollte hier die große Überraschung in der Luft liegen?

Die Amerikanerin zeigte sich sichtlich verärgert und steigerte sich nun. Zum 3:3 nahm sie Kerber das Service ab, weil deren zweiter Aufschlag einfach zu harmlos war. Nun schien alles wieder in der Reihe zu sein.

Aber Kerber wich nicht zurück. Sie schaffte prompt das nächste Break, weil sie deutlich mehr Bälle zurückbrachte als alle anderen bisherigen Williams-Gegnerinnen im Turnier zusammen. Williams wirkte verdutzt und leistete sich einen leichten Fehler nach dem anderen. 23 waren es bis zum Ende des ersten Satzes, den sich Kerber nach 39 Minuten unter dem großen Jubel der Zuschauer sicherte.

Williams dominiert zweiten Satz

Im zweiten Durchgang hob Williams ihr Niveau dann aber deutlich an. Zugleich unterliefen Kerber ein paar Fehler mehr, die die US-Amerikanerin zu nutzen wusste. Zum 3:1 gelang ihr das Break, nach insgesamt 72 Minuten schaffte Williams den Satz-Ausgleich. Vor allem deshalb, weil Williams ihre Anzahl an leichten Fehlern von 23 auf fünf reduzierte.

Doch wer gedacht hatte, nun würde Williams problemlos durch den dritten Satz spazieren, der sah sich getäuscht. Kerber zeigte keine Nerven, spielte weiter mutig und kämpfte um jeden Ball. Der Lohn war ein frühes Break zum 2:0, auch weil Kerber zwei spektakuläre Ballwechsel mit großem Kampfgeist für sich entschied. Allerdings konnte Kerber ihren Vorsprung danach nicht halten und gab sofort selbst ihr Aufschlagspiel ab.

Aber auch von diesem Rückschlag ließ sich die Deutsche nicht unterkriegen. Zum 4:2 schaffte sie das nächste Break und führte die Nummer eins der Welt dabei mit traumhaften Stoppbällen phasenweise vor. Beim Stand von 5:3 schlug Kerber zum Matchgewinn auf, musste aber wieder ein Break hinnehmen. Doch Kerber machte einfach weiter und wurde nach 2:08 Stunden schließlich belohnt.