ZEIT ONLINE: Herr Holz, können Sie sich noch an das erste Basketballspiel erinnern, das Sie je gesehen haben?

Stefan Holz: Das war während meines Studiums in den Achtzigern. Im Kabelfernsehen habe ich nächtelang die NBA auf Eurosport verfolgt. Was das erste Spiel war, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich habe immer die Los Angeles Lakers geschaut, mit den Legenden. Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar spielen zu sehen, war sehr faszinierend. Gleiches gilt für das Dream Team, das 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold gewonnen hat.

ZEIT ONLINE: Das macht für das nun folgende Quiz ja durchaus Hoffnung.

Holz: Mir auch!

ZEIT ONLINE: Auf Sie warten zehn mehr oder weniger schwere Fragen, die Aufschluss darüber geben sollen, wie viel Sie von der sportlichen Seite Ihrer neuen Aufgabe verstehen, weil sie ja ein Quereinsteiger ohne Basketball-Stallgeruch sind.Also: Wer ist Deutschlands Rekordnationalspieler im Basketball?

Holz: Rekordnationalspieler? Wenn Sie das jetzt gleich sagen, dann weiß ich es. Es kann keiner sein, der in der NBA gespielt hat. Der muss sehr viel hier gespielt haben … Christian Welp, Uwe Blab … Welp, würde ich mal sagen.

ZEIT ONLINE: Patrick Femerling lautet die richtige Antwort. Wer gilt als Erfinder der Sportart Basketball und woher stammt er?

Holz: Ach, das habe letztens noch irgendwo gelesen. Krieg ich nicht mehr zusammen, sorry.

ZEIT ONLINE: James Naismith aus Kanada.

Holz: Kann man wissen … Jetzt hab ich null von zwei. Okay, weiter!

ZEIT ONLINE: Wie hoch hängt ein Basketballkorb?

Holz: 3,15 Meter?

ZEIT ONLINE: 3,05 Meter.

Holz: Also war das eine korrekte Antwort, ja?

ZEIT ONLINE: Jetzt eine einfachere Frage. Mit welchem Team gewann Michael Jordan sechs Meisterschaften in der NBA?

Holz: Ganz klar, mit den Bulls.

ZEIT ONLINE: Wie heißt der NBA-Superstar, der jüngst seinen Rücktritt bekannt gab?

Holz: Kobe Bryant.

ZEIT ONLINE: Was bezeichnet der Begriff Stretch Four?

Holz: Stretch Four? Hat es etwas mit der Position vier zu tun?

ZEIT ONLINE: Ja.

Holz: Ein Vierer, der auch die Fünf spielen kann?

ZEIT ONLINE: Nein, eher im Gegenteil. Ein Vierer, der wurfstark ist und das Spielfeld für seine Mitspieler weit macht.

Holz: Ah ja.

ZEIT ONLINE: Nennen Sie mindestens einen ehemaligen Namenssponsor der BBL.

Holz: s.Oliver.

ZEIT ONLINE: Richtig. Welche dieser Personen spielte nicht professionell Basketball? Rimas Kurtinaitis, Sergej Fjodorow, Andrej Kirilenko …

Holz: … Sergej Fjodorow. War das nicht ein Eishockeyspieler? Kirilenko hat bei den Utah Jazz gespielt.

ZEIT ONLINE: Stimmt beides. Wie viele Auszeiten hat ein Trainer in der BBL pro Spiel zur Verfügung?

Holz: Vier? Nein, fünf!

ZEIT ONLINE: Richtig. Was war die Spezialität von Henrik Rödl?

Holz: Da muss ich passen.

ZEIT ONLINE: Das Verteidigen. Das reicht als Aufwärmprogramm. Sie kommen nicht aus der Basketballwelt. Als ehemaliger Unternehmensberater bringen Sie aber eine neue Perspektive hinein. Sie kannten vorher wohl keinen ihrer neuen Mitarbeiter. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Holz: Auch ohne selbst gespielt zu haben, ist eine gewisse Basketball-Affinität sicherlich hilfreich in diesem Job. Und die habe ich, wenngleich ich mich generell als sehr sportinteressiert bezeichnen würde. Ich komme vom Fußball, bin aber über die NBA zur BBL gekommen. Das ist übrigens ein klassischer Kundenweg, ein Customer Journey. Unsere Zielgruppen kommen vielfach von der NBA, und deren Blick richtet sich mit der Zeit auf den hiesigen Basketball, der ebenfalls attraktiv ist. Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, macht auch einen fantastischen Job, ohne in der Bundesliga gespielt zu haben.

ZEIT ONLINE: Sind Sie ein Zahlenmensch?

Holz: Gar nicht so sehr. Natürlich bin ich ein Stück weit zahlengetrieben, denn am Ende betreiben wir ein Geschäft, was sich in der letzten Zeile, der Bottom Line, ausdrücken muss. Als Unternehmensberater habe ich, von meinen ersten Jahren abgesehen, jedoch immer auf der Erlösseite gearbeitet. Meine Themen waren neue Erlösquellen, neue Geschäftsmodelle, Business Development. Zahlen spielen diesbezüglich natürlich eine wichtige Rolle. Aber es geht vielmehr um Kreativität, Entwicklung und Fortschritt. Zahlenmensch passt somit nur zur Hälfte.

ZEIT ONLINE: Bleiben wir bei den Zahlen. In Ihrem neuen Job, was sind da die wichtigsten Kennzahlen für Sie?

Holz: Die Maßgabe für das, was wir tun, war schon vor meiner Ankunft in einem sogenannten Businessplan festgelegt. Dieser enthält unter anderem die Vision, bis zum Jahr 2020 die beste nationale Liga Europas zu sein. Diesen Businessplan würde ich aber eher als eine Strategie bezeichnen. Diese besteht aus einem sportlichen und einem wirtschaftlichen Teil. Festgemacht wird das Ganze an Zahlen. Ein wichtiges Ziel ist das sogenannte Vier-Millionen-Ziel. Wir wollen aus heute 2,8 Millionen sehr stark BBL-interessierten Menschen bis ins Jahr 2020 vier Millionen sehr stark Interessierte machen. Aus diesen sehr stark Interessierten speisen sich die wesentlichen Treiber für unser Geschäft, das sind Dauerkartenkäufer, Hallenbesucher, Pay- und Free-TV-Zuschauer, Menschen, die Merchandise-Artikel kaufen. Erreichen wir dieses Ziel, sind andere Zielvorgaben abgedeckt. Deshalb ist das ein Kernthema. Darüber hinaus sind wir bestrebt, in einer ganzen Reihe von Kategorien substanziell und kontinuierlich zu wachsen. Beim Umsatz der Liga, den Hallenbesuchern – wobei sich hier Grenzen durch die Hallenkapazitäten ergeben. Ausbauen möchten wir zudem die gemessenen Kontakte in TV, Online und Print. Bekommen wir das alles hin, sind wir einen Riesenschritt weiter mit Basketball in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Bei Ihrem Antritt haben Sie davon gesprochen, auf einen fahrenden Zug aufgesprungen zu sein. Gab es Kennzahlen, die Ihnen beim Betreten des Zuges nicht sonderlich gefallen haben?

Holz: Nein. Das Bild vom fahrenden Zug bezog sich darauf, dass wir nicht auf der grünen Wiese stehen und bei null anfangen, nur weil es einen neuen Lokführer gibt. Wir betreiben ein schon bestehendes Geschäft, wir haben Verträge. Auch auslaufende Verträge … Und wir haben eine sehr gut funktionierende Liga, deren Saison vier Wochen nach meinem Einstieg begonnen hat. Das meinte ich damit, dass der Zug bereits fährt. Gleichwohl werden wir Dinge ändern und angehen – gewisse Weichen werden anders gestellt.

ZEIT ONLINE: Welche?

Holz: Einerseits müssen wir noch kommunikativer werden, denn der deutsche Basketball bietet tolle Geschichten und fantastische Köpfe. Aber wir sind beim berühmten Mann auf der Straße noch nicht bekannt genug. Folglich liegt unser Fokus auf Storytelling und Marketingkommunikation. Letzteres allerdings ohne die großen Budgets dahinter, wie bei einem Konsumartikelhersteller. Als Liga sind wir zudem vertrieblich gefordert, in zwei Bereichen etwas zu entwickeln: Das betrifft die Medienrechte und die zentralen Sponsoreneinnahmen der Liga, die an die Clubs ausgeschüttet werden. Aus meiner Sicht sind noch Reserven vorhanden, die teilweise naheliegen – beispielsweise das Akquirieren eines offiziellen Zeitnehmers. Schließlich ist Basketball ein sehr zeitgetriebener Sport. Auch ein Getränke- bzw. Bierpartner oder ein Vorsorgepartner kämen infrage. Natürlich verfügen wir bereits über gute und tolle Partner. So ist beispielsweise Beko in Europa und der Türkei ein großer Name. Und die Partnerschaft mit der Liga hat letztlich dazu geführt, die Bekanntheit der Marke in Deutschland erheblich zu steigern. Wenn wir Basketball und die Liga aber weiter nach vorne bringen wollen, sind große Unternehmen als Partner ein wesentlicher Treiber.

ZEIT ONLINE: Basketball gehört zur Verfolgergruppe hinter dem weit enteilten König Fußball, was Aufmerksamkeit, mediale Resonanz und Umsätze angeht. Tauschen Sie sich mit den Geschäftsführern der anderen Verfolger aus?

Holz: Es gibt einen engen Austausch zwischen den großen Ligen – institutionalisiert in der Initiative Profisport Deutschland (IPD). Diese umfasst die Deutsche Fußball Liga, die Handball-Liga, die Deutsche Eishockey Liga und uns. Die IPD beschäftigt sich unter anderem mit Themen wie Geoblocking oder Werbeverbote. Da diese und noch weitere Punkte für alle Ligen von Belang sind, pflegen wir untereinander einen offenen und professionellen Austausch. Handball und Eishockey verstehen wir im Übrigen nicht als unsere Mitwettbewerber. Beide Sportarten bedienen andere Märkte und Zielgruppen. Unser gemeinsamer Konkurrent ist die Dritte Liga im Fußball, die bei wesentlichen Kennziffern weiterhin vor uns liegt. Diese Liga liefert TV-Reichweiten und ist in bestimmten Regionen ein durchaus attraktives Produkt. Ansonsten blicken wir gen NFL: ProSieben Maxx erzielt am Sonntagabend mit zwei Live-Spielen exzellente Quoten. Bis zu zehn Prozent in der Zielgruppe, mehr als 300.000 teilweise ganz junge Zuschauer in einer hoch attraktiven Zielgruppe. Unsere Herausforderung lautet: Wie erreichen wir unsere Kernzielgruppe – männlich, 14 bis 39 Jahre alt? Denn diese Zielgruppe interessiert sich auch für die NBA, die NFL, für Fußball, aber auch für Wrestling.