Der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät weiter unter Druck. © Ralph Orlowski / Reuters

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) soll laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung über Jahre hinweg systematisch Hinweise auf Korruption bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland vertuscht haben. Die Süddeutsche beruft sich dabei auf bisherige Ergebnisse einer internen Ermittlung durch die Kanzlei Freshfields, die im Auftrag des DFB die WM-Affäre untersucht hat.

Die ominöse Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die das Bekanntwerden der DFB-Affäre im Oktober auslöste, habe laut einem in den Ermittlungsunterlagen zitierten Zeugen, dem bisherigen Vizegeneralsekretär Stefan Hans, in der Buchhaltung "schlüssig ausgesehen". Den Unterlagen habe man "nicht ansehen" können, dass damit eine offenbar illegale Zahlung verdeckt werden sollte, zitiert die Süddeutsche aus bisherigen Erkenntnissen der Kanzlei.

Den wahren Zweck der Zahlung soll nach Aussagen von Hans lediglich ein kleiner Kreis von Mitgliedern des früheren WM-Organisationskomitees (OK) gekannt haben.


Schmiergeldliste bei Wolfgang Niersbach

Der Kanzlei sollen laut dem Bericht zudem neue Dokumente vorliegen, denen zufolge die Vergabe des Turniers 2006 nach Deutschland von Korruptionsversuchen begleitet gewesen sein könnte. Unter anderem gehe es dabei um eine Afrika-Hilfe in Höhe von sieben Millionen Euro, die der Fußball-Weltverband Fifa vom deutschen OK gefordert hatte.

Beim DFB gefundene Unterlagen würden nun die Frage aufwerfen, ob diese Millionenhilfe ein Ausgleich dafür sein sollte, dass Südafrika die Abstimmung in der Fifa über die WM 2006 gegen Deutschland verloren hatte und erst 2010 zum Zuge kam.

Laut Freshfields Ermittlungen soll sich im Vorzimmer des wegen der Affäre zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach jahrelang eine Schmiergeldliste des früheren Fifa-Marketingpartners ISL befunden haben, berichtet die Süddeutsche. Darin soll auch eine Zahlung aufgeführt sein, der die Ermittler nun nachgehen. Einen Tag vor der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland hatte die ISL einem unbekannten Empfänger 250.000 Dollar überwiesen.