Beim FC Bayern, davon ist auszugehen, sind auf allen Ebenen Profis am Werk. Jeder Schritt ist durchdacht, die Folgen kalkuliert und abgewogen. So ist es auf dem Platz, wo die Mannschaft von Pep Guardiola sich anschickt, wieder einmal souverän Meister zu werden. Und so ist es abseits davon, auch finanziell sind die Bayern dem Rest der Liga uneinholbar enteilt.

Wie passt in so viel Kompetenz diese Meldung hinein? Der FC Bayern hat einen Sponsorenvertrag mit Katar geschlossen. Der Flughafen in Doha, benannt nach dem Emir, der die WM 2022 ins Land holte, wird einer von zehn sogenannten Platinpartnern des FC Bayern. Er wird künftig in der Allianz Arena auf den Banden werben. Wie viel Geld fließt, wurde nicht mitgeteilt, in Katar jedenfalls gibt es davon mehr als genug.

Es verwundert, dass Bayern sich auf diesen Deal einlässt, Empörung darüber war absehbar. Katar ist nicht nur bei Fußballfans denkbar schlecht beleumundet: Es ist dort heiß, die Fußballkultur eher bescheiden, und die WM musste in den Winter verschoben werden. Apropos verschieben – viele vermuten zudem, dass sich Katar die WM gekauft hat. Auch was Menschenrechte angeht, ist Katar ein schwieriger Fall. Auf den Baustellen des Landes können Gastarbeiter von Arbeitnehmerrechten bestenfalls träumen, viele von ihnen kommen während der Arbeit ums Leben. Und um die Demokratie steht es am Golf auch nicht gut.

Der FC Bayern wurde in den vergangenen Jahren oft getadelt, weil er immer wieder gern ins Trainingslager nach Katar flog. Politiker kritisierten die Reisen, Fans schrieben offene Briefe, Einzelne traten gar aus dem Verein aus. In den sozialen Netzwerken kam es zu ordentlichen Shitstorms, auf Twitter etablierte sich der spöttische Hashtag #dohaisdahoam.

Der Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge agierte ungeschickt bis gewissenlos, als er sagte, ein Trainingslager sei keine politische Äußerung, wofür er natürlich ebenfalls kritisiert wurde. Die Aufregung jedenfalls war so groß, dass man dachte, die Bayern würden sich diesen Stress künftig schenken und woanders hinfahren. Nun geht es einen Schritt weiter, ums Geschäftemachen. Rummenigge rechtfertigt das so: "Diese Partnerschaft ist ein weiterer Schritt in unserer Internationalisierungsstrategie. Teil der Kooperation ist es, dass wir gemeinsam soziale Projekte und den Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen fördern werden."

Über den zweiten Satz lachen natürlich die Hühner, schon der Ehrenpräsident Franz Beckenbauer will bekanntlich keine Sklaven in Katar gesehen haben. Interessant am ersten Satz ist das Wortmonstrum Internationalisierungsstrategie. Das heißt: Dem Club sind seine kritischen Fans komplett egal. Soll der nachdenkliche Blogger aus Landshut doch aus dem Verein austreten, für ihn warten zehn Neue aus dem Nahen Osten oder Indien oder China. Bayern ist für die Bayern nicht mehr wichtig. Doha ist wirklich bald dahoam. Die neuen Fans sind im Zweifel auch pflegeleichter, weil sie keinen Popanz machen und billige Stehplätze oder Mitbestimmung oder so etwas fordern, sondern sich einfach nur über einen netten YouTube-Channel freuen, der ihnen die Bayern-Trainings live überträgt, weil von Mumbai aus gesehen die Säbener Straße nicht gerade ums Eck liegt.