Die Golfstaaten

FC Bayern München (Doha, Katar)
Borussia Dortmund (Dubai, Vereinigte Arabische Emirate)
Eintracht Frankfurt (Abu Dhabi,
Vereinigte Arabische Emirate)

So dumm würde der FC Bayern nicht mehr sein. Dachte man. Als die Münchner im vergangenen Jahr im Trainingslager in Katar waren und auch noch zu einem Testspiel nach Saudi-Arabien flogen, just an dem Tag, an dem der Blogger Raif Badawi ausgepeitscht werden sollte, weil er sich für Demokratie und religiöse Freiheit ausgesprochen hatte, war die Empörung groß. Fans schrieben offene Briefe an ihren Verein, der halbgare Statements von sich gab, die zumindest vermuten ließen, in diesem Jahr werde sich der Club umorientieren. Die Welt ist doch so groß und schön und warm. Doch Kohle schlägt Skrupel. "Wir wissen, dass wir in ein Land fahren, in dem die Menschen teilweise eine andere Kultur als in Deutschland pflegen. Aber ein Trainingslager ist keine politische Äußerung", sagte Karl-Heinz Rummenigge vor dem erneuten Trip in die Wüste. Viel ungelenker, naiver und verharmlosender kann man sich zu diesem Thema nicht äußern. 

Vereinzelt treten nun Fans aus dem Verein aus und machen ihre Beweggründe öffentlich. Dem Club ist es Wurst. Dabei geht es nicht nur um das umstrittene Kafala-System und eine womöglich gekaufte WM 2022. Gegenüber Katar stand auch der Vorwurf im Raum, den IS zu unterstützen, also jene Terroristen, die sich in Paris vor dem Stade de France in die Luft gesprengt haben und nicht nur den Bayernspielern Manuel Neuer, Jérôme Boateng und Thomas Müller eine schlaflose Nacht bereitet haben. Auch Pep Guardiola, der sich so gerne als Philosoph und Avantgardist darstellt, scheint sich für Menschenrechte nicht recht zu interessieren. Er ist ein großer Fan Katars, unterstützte die WM-Bewerbung und wird als Nationaltrainer 2022 gehandelt. Der Kapitän Philipp Lahm sagte, die Mannschaft werde in Katar "nicht die Augen zumachen." Mal schauen, wie viele Sklaven seine Mannschaft trotzdem nicht sehen wird. Am Ende entscheidet, was das Beckenbauer-Double Schorsch Aigner so schön formulierte: "Der Scheich ist reich."

Nicht viel besser macht es Borussia Dortmund. Der BVB ist stolz darauf, nicht nach Katar gereist zu sein und kommuniziert das ganz offensiv. "Trotz lukrativer Angebote hat der BVB übrigens mehrere Testspiel-Offerten aus Ländern ausgeschlagen, in denen die Menschenrechtssituation nicht mit den Maßstäben von Borussia Dortmund in Einklang zu bringen beziehungsweise eine offene Diskussion über das Thema Menschenrechte nicht möglich ist", heißt es in einer Pressemitteilung. Vielleicht hätte ein Nachhilfekurs in Nahostpolitik geholfen. Auch in Dubai gilt das Kafala-System, auch in Dubai werden Homosexuelle diskriminiert, auch in Dubai ist Demokratie nur ein theoretisches Konstrukt. Auch die BVB-Fans diskutieren deswegen gerade eifrig. Aber wen interessiert das schon, wenn es neue Märkte zu erobern gilt?

Dass auch Eintracht Frankfurt Ähnliches mit dem Trainingslager ums Eck in Abu Dhabi versucht, ist fast rührend.

Türkei

Werder Bremen (Belek)
Borussia Mönchengladbach (Belek)
Hamburger SV (Belek)
Hannover 96
(Belek)
Hertha BSC
(Belek)
VfB Stuttgart (Belek)
SV Darmstadt 98 (Antalya)

Der Deutsche an sich mag in der Ferne gern andere Deutsche um sich. Anders wären Phänomene wie Antalya, Lloret de Mar oder Rimini nicht zu erklären. Die Bundesligisten sind da keine Ausnahme. Gleich sechs von ihnen verlustieren sich an der türkischen Riviera. Belek ist das größte Trainingslager der Welt und hat auch sonst allerlei Superlative zu bieten. Das 2.000-Einwohner-Städtchen soll die höchste Rasenplatzdichte der Welt haben. Kein Wunder, schließlich beziehen hier 700 Mannschaften jährlich ihr Trainingslager, vom europäischen Spitzenclub bis zum Amateurverein aus Sachsen. Im Winter lebt der Ort komplett vom Trainingslagergeschäft. Auch viele Fans fahren mit, opfern einen Teil ihres Jahresurlaubs, um auch bei den winterlichen Trainingseinheiten dabei zu sein. Oder bei den vielen Testspielen. Wenn sich so viele Clubs auf so engem Raum ballen, kann man gleich ein bisschen Bundesliga simulieren. Im vergangenen Jahr pfiffen in Belek sogar deutsche Schiedsrichter. Vorher stand das ein oder andere Testspiel unter Manipulationsverdacht.

Spanien und Portugal

Mainz (Marbella, Spanien)
Augsburg (Estepona, Spanien)
VfL Wolfsburg (Lagos, Portugal)

In den Neunzigern flog so gut wie jeder Fußballclub, der etwas auf sich hielt, an die Algarve. Ist ja auch wirklich nett da. Aber der Trend ist vorbei, Portugal ist out. Das sicherste Zeichen dafür: Der VfL Wolfsburg ist noch da. Augsburg und Mainz residieren nicht weit weg in Spanien. Und machen damit alles richtig. Die Kollegen von Die Welt haben ausgerechnet, dass Clubs, die in Spanien trainingslagern, den größten Erfolg haben werden. In den vergangenen beiden Jahren flogen zehn Bundesligavereine nach Spanien, alle zehn punkteten in der Rückrunde besser als in der Vorrunde. Im Schnitt verbesserten sich Spanien-Urlauber in den vergangenen beiden Jahren um 5,5 Punkte. ¡Qué loco!