Die europäische Fußball-Union Uefa hat die Einführung der Torlinientechnik in ihren Wettbewerben beschlossen. Bei der Europameisterschaft im Sommer soll die Technik bereits zum Einsatz kommen. In der Champions League sollen die Treffer ab der Saison 2016/2017 elektronisch registriert werden, in der Europa League ein Jahr später. "Es wird uns helfen. Es ist Teil der Welt, in der wir leben", sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino. "Es wird alle Zweifel beseitigen, ob ein Tor erzielt wird oder nicht", sagte der Schweizer.

Nach dem Weltverband Fifa, der die Technik seit 2013 für seine Wettbewerbe einsetzt, und der Bundesliga, die seit der laufenden Saison ein kameragestütztes System zur Erfassung der Treffer nutzt, gab nun auch die Uefa ihren Widerstand auf. Vor allem der mittlerweile gesperrte Präsident des europäischen Dachverbandes, Michel Platini, hatte sich gegen den Einsatz technischer Hilfsmittel gewehrt. Stattdessen führte die Uefa zwei zusätzliche Schiedsrichterassistenten ein, die den Torraum beobachten. Diese sogenannten Torassistenten soll es auch weiterhin geben. Ab 2017 wird die Technik somit in allen Wettbewerben angewendet, an denen Bundesliga-Vereine und die deutsche Nationalmannschaft teilnehmen.

Die Fifa hatte nach der WM 2010 und einer gravierenden Fehlentscheidung zugunsten Deutschlands im Achtelfinale gegen England nach einem nicht anerkannten Tor von Frank Lampard die Einführung auf Geheiß des mittlerweile ebenfalls gesperrten Präsidenten Joseph Blatter forciert. Anders als bei der Wembley-Fehlentscheidung von 1966 stand zu diesem Zeitpunkt bereits eine Technik bereit, mit der sich messen lässt, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat oder nicht. Beim Confederations Cup 2013 und der WM 2014 in Brasilien war das System GoalControl zum Einsatz gekommen. Die Bundesliga setzt seit Beginn der laufenden Saison auf das britische Hawk-Eye. Die Uefa will in Kürze entscheiden, welches der drei von der Fifa lizenzierten Systeme zum Einsatz kommen soll.

Die Uefa hatte die Kosten stets als Hemmnis für die Torlinientechnik angeführt. Gerade in den Vereinswettbewerben steht der Verband vor einer Herausforderung, müssen doch rund 80 Arenen mit der Technik ausgestattet werden. Der hohe Aufwand dürfte der Grund für die Entscheidung gewesen sein, die technische Hilfe in der Europa League erst ab 2017 einzusetzen.