Deutschlands Handball-Nationalmannschaft steht nach dem Sieg gegen Norwegen im Finale der Europameisterschaft in Polen. Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurðsson gewann mit 34:33 Toren nach Verlängerung und ist damit nur noch einen Sieg vom ersten Titel seit dem WM-Triumph 2007 entfernt. Eigentlich. Denn das norwegische Team hat Protest eingelegt. Grund: Nach Verlängerung sollen in den letzten fünf Sekunden zwei deutsche Spieler mit gelben Hemden und damit zwei Torhüter auf dem Parkett gewesen sein. Erst am morgigen Samstag will die Europäische Handball-Föderation (EHF) über den Fall verhandeln und bis 11.00 Uhr eine Entscheidung fällen. "Wir sehen der Verhandlung gelassen entgegen und freuen uns auf das Finale", sagte Delegationsleiter Bob Hanning.

Matchwinner für die DHB-Auswahl war vor etwa 7.500 Zuschauern in Krakau neben dem zehnfachen Torschützen Tobias Reichmann Nachrücker Kai Häfner, der kurz vor Schluss das Siegtor erzielte. Damit hat sich die Mannschaft schon jetzt direkt für die Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich qualifiziert, beim Titelgewinn wäre auch das Olympia-Ticket gelöst. Im Endspiel an diesem Sonntag trifft Deutschland  – sofern die EHF nicht anders entscheidet – auf Spanien, das Kroatien im anderen Halbfinale mit 33:29 Toren besiegte.

Zu Beginn des Spiels gegen Norwegen konnte sich das junge deutsche Team zur Mitte der ersten Hälfte auf 9:5 absetzen. Grundlage dafür war eine exzellente Deckung in der Abwehr, angeführt vom großen Finn Lemke.

Die Norweger, die erstmals in der Geschichte ihres Verbandes im Halbfinale standen, hielten allerdings Anschluss. Die DHB-Sieben verpasste es wegen einiger leichtfertig vergebenen Chancen, den klaren Vorsprung zu wahren. 14:13 hieß es zur Pause. "Es fühlt sich so an, dass wir höher führen müssten. Wir müssen noch etwas cleverer sein", sagte der verletzte Kapitän Steffen Weinhold im ZDF.

In Hälfte zwei machten sich Unaufmerksamkeiten wie leichte Ballverluste der DHB-Auswahl im Spielstand bemerkbar. So konnten die Norweger sogar in Unterzahl mit 17:16 in Führung gehen. Kurze Zeit später stand es bereits 17:19.

Siegtreffer in der letzten Minute

Aber auch die Norweger konnten nicht an ihre Leistungen der vergangenen Tage anknüpfen und verpassten es, sich entscheidend abzusetzen. Sogar eine 27:25-Führung genügte nicht: Rune Dahmke rettete die deutsche Mannschaft mit einem Treffer acht Sekunden vor Schluss in die Verlängerung.

Dort gab sich das DHB-Team willensstark. Es erzielte die Führung und gab diesen Vorteil nicht mehr her. Häfners Treffer in der letzten Minute bedeutete den Sieg für das deutsche Team.

Deutschland und Norwegen hatten vergangenen Mittwoch den Einzug ins Halbfinale geschafft. Die Deutschen gewannen die Partie in Breslau gegen Dänemark mit 25 zu 23 Toren. Norwegens Mannschaft, die vor dem Turnier als Außenseiter galt, besiegte in Krakau überraschend den Welt- und Europameister Frankreich mit 29 zu 24 Toren (12:11) und sicherte sich damit sogar den Gruppensieg in der Hauptrunde.