ZEIT ONLINE: Herr Ehlers, eine Onlinepetition für Uli Hoeneß. Warum?

Jörn Christoph Ehlers: Weil Uli Hoeneß der personifizierte FC Bayern ist. Es geht darum, ihn dahin zu holen, wo er nach meiner und der Ansicht vieler anderer Bayernfans hingehört: auf den Präsidentenstuhl. Es gibt keinen besseren für den Posten.

ZEIT ONLINE: Hätten Sie erwartet, dass so schnell fast 5.000 Unterstützer zusammenkommen?

Ehlers: Nein.

ZEIT ONLINE: Erst in diesen Tagen wird sich entscheiden, ob er überhaupt früher freikommt und trotzdem sammeln sich schon die Bayernfans zur Unterstützung. Woher kommt diese Sehnsucht nach Uli Hoeneß?

Ehlers: Ich kann natürlich nur von mir sprechen. Ich bin seit 1982 Fan, da war ich sieben Jahre alt und fand eigentlich Karl-Heinz Rummenigge toll. Aber Hoeneß war damals schon Manager. Ich kenne den FC Bayern gar nicht ohne Uli Hoeneß. Deswegen war es auch ein Schock, als er seine Ämter wegen dieser unappetitlichen Angelegenheit niederlegen musste.

ZEIT ONLINE: Sie nennen es eine unappetitliche Angelegenheit, andere finden da drastischere Worte. Wäre Uli Hoeneß auch nach dieser Angelegenheit noch ein guter Bayern-Präsident?

Ehlers: Ein klares Ja. Man muss trennen zwischen seiner Leistung für den Verein und seinen Privatangelegenheiten.

ZEIT ONLINE: Kann man das?

Ehlers: Ja, kann man. Jeder Mensch hat ein Recht auf sein Privatleben. Der Verein selbst hat mit dieser Angelegenheit überhaupt nichts zu tun. Sicherlich hat Uli Hoeneß einen Fehler gemacht, aber ist dafür gerade gestanden und hat wie jeder andere auch eine zweite Chance verdient. Zumal er niemanden direkt geschädigt hat.

ZEIT ONLINE: Na ja, er hat Steuern hinterzogen und damit die Allgemeinheit betrogen. Er hat mich und auch Sie betrogen. Trotzdem würden Sie Hoeneß guten Gewissens Ihren Verein anvertrauen?

Ehlers: Weil ich weiß, dass Uli Hoeneß dem Verein, seinem Baby, niemals schaden würde. Ich bin sicher: Wenn Uli Hoeneß sich zur Wahl stellen würde, was ja noch nicht sicher ist, würde er von einer Mehrheit der Mitglieder gewählt werden. Die Leute rechnen ihm an, was er für den Verein geleistet hat. Das bewerten die Leute stärker als die Steuergeschichte. Mir selbst geht es zumindest so.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Hoeneß von den Leuten aus dem Fußballgeschäft so ernst genommen würde wie vor der Affäre?

Ehlers: Ich denke schon. Mit den Fußballgrößen wird es keine Probleme geben. Günter Netzer hat ihn besucht, Clemens Tönnies, Ottmar Hitzfeld. Die gegnerischen Fans werden vielleicht ihre nicht so netten Kommentare abgeben und ihn beschimpfen.

ZEIT ONLINE: Aber wenn es mal wieder so einen Spruch aus der Abteilung Attacke geben würde, würden alle sagen: Was nimmt denn da der Steuerhinterzieher den Mund wieder so voll.

Ehlers: Okay, das ist ein Punkt. Aber ich gehe mal davon aus, dass er sich als Präsident nicht mehr so öffentlich ins Tagesgeschäft einmischen würde.

ZEIT ONLINE: Hoeneß wurde zur moralischen Instanz gemacht. Er wurde in Talkshows eingeladen und hat dort anderen die Leviten gelesen. Das wird auch schwierig. Wie will jemand moralisch argumentieren, der selbst unmoralisch gehandelt hat?

Ehlers: Ich kann mir vorstellen, dass er diese Rolle einfach nicht mehr ausfüllt. Dass er dann genau überlegt, was er sagt, wenn er was sagt. Er würde einfach niemanden mehr glattbügeln.

ZEIT ONLINE: Aber ist er dann noch Uli Hoeneß? Beraubt er sich damit nicht einer großen Stärke?

Ehlers: Vor dem Namen Hoeneß hat man immer noch Respekt. Was er mit dem FC Bayern aufgebaut hat! Ich kann mir vorstellen, dass sein Wort, zumindest intern, noch immer zählt. Sein Wort wird immer Gewicht haben.