Der DFB-Kontrollausschuss hat ein Ermittlungsverfahren gegen Leverkusens Trainer Roger Schmidt eingeleitet. Der Kontrollausschuss habe Schmidt angeschrieben und zu einer baldigen Stellungnahme aufgefordert, teilte der Deutsche Fußball-Bund mit. Auch gegen Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler wird ermittelt.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung des Verfahrens hatte der Vorsitzende des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner, eine Strafe für Schmidt angekündigt. "Es wird eine Sanktion geben", sagte er dem Portal Sport1. Welche, könne er noch nicht sagen. Man werde versuchen, "eine schuldangemessene Sanktion zu finden". Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sieht laut Paragraf acht "für Nichtbefolgung der Anordnungen des Schiedsrichters eine Sperre von einer Woche bis zu drei Monaten" vor. Allerdings gilt dieser Paragraf nur für Strafen gegen Spieler.

Schmidt hatte am Vortag während des Bundesliga-Spiels zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund (0:1) eine knapp zehnminütige Unterbrechung provoziert. Nach einem Verweis von Schiedsrichter Felix Zwayer hatte er nicht auf die Tribüne gehen wollen. Daraufhin verließ Zwayer den Platz, sein Team folgte ihm.

Ein Sonderbericht des Schiedsrichters ist die Grundlage für die Ermittlungen des Sportausschusses. Der weitere Verfahrensweg sieht vor, dass Schmidt seine Stellungnahme abgibt und der Kontrollausschuss danach eine Anklage vor dem DFB-Sportgericht erhebt. Bereits am Dienstagnachmittag oder am Mittwoch werde es eine Entscheidung geben, kündigte Nachreiner an.

Er kritisierte den Leverkusener Trainer. "So ein Verhalten ist noch nie da gewesen", sagte Nachreiner. "Wenn der Trainer einfach nicht gehen will, was soll der Schiedsrichter da noch machen?" Ein Spieler müsse auch gehen, wenn er des Feldes verwiesen werde. Auch, wenn es ein umstrittener oder ungerechter Platzverweis sei.

Schiedsrichter beklagen Tendenz der Respektlosigkeit

Schmidt hatte nach dem Spiel zwar eingeräumt, seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden zu sein, bekräftigte aber seine Kritik an Zwayer. Der Coach stellte indirekt einen Zusammenhang her zwischen der fast zehnminütigen Spielunterbrechung und einer Fehlentscheidung von Zwayer wenige Minuten nach Wiederanpfiff der Partie. Bei einem Handspiel des Dortmunder Sokratis im Strafraum hatte Zwayer keinen Elfmeter für Leverkusen gegeben. Schmidt vermutete einen Zusammenhang mit seinem emotionalen Verhalten wenige Minuten vorher. "Ich hoffe nicht, dass es so war, aber mir fällt keine andere Erklärung dazu ein." Zwayer gab nach Spielende zu, in diesem Fall falsch entschieden zu haben.

Herbert Fandel, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses, sieht den Eklat als Tiefpunkt einer längerfristigen Entwicklung: "Es ist respektloser geworden, in einer Art und Weise, die nicht länger akzeptabel ist. Es müssen Verhaltensänderungen her, dringend", sagte er in einem Interview auf der Website des DFB. "Seit Beginn der aktuellen Spielzeit befinden wir uns sichtlich in einer Negativspirale." Es sei an der Zeit, dass man sich darauf besinne, welche Vorbildfunktion alle Akteure im Profibereich hätten.

Ermittlungen gegen Völler nach seinem Wutausbruch

Der DFB ermittelt auch gegen Leverkusens Sportdirektor Völler. Er hatte dem TV-Sender Sky nach dem Spiel ein wütendes Interview gegeben. "Das war ein tausendprozentiger Strafstoß", sagte Völler und kritisierte Zwayers Entscheidung. Das Fehlverhalten von Schmidt wertete er hingegen weniger kritisch: "Warum muss sich der Schiri so aufpumpen? So eine Nummer daraus zu machen, die Spieler müssen reingehen, als wäre hier was Furchtbares passiert – das ist übertrieben."

Völler sieht die Leverkusener in der Opferrolle. Die Schiedsrichter würden sich wieder "alle gegenseitig in Schutz nehmen". Jeder werde sagen, Leverkusens Trainer hätte vom Platz gehen müssen. Auf Fragen nach den nun drohenden Konsequenzen reagierte der Sportdirektor sarkastisch: Er wisse nicht, ob "der Herr Zwayer nun gesperrt wird". Er könne es sich nicht vorstellen.